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Christbaum#

--> Christbaumschmuck

Christbaum. Wien 1957. Foto: Alfred Wolf

In weiten Teilen Europas befestigte man im Winter über der Haustür, im Stall und in den Wohnräumen Reisig, wie  Sebastian Brant 1494 in seinem „Narrenschiff“ feststellte. In der Steiermark und im Burgenland waren noch Mitte des 20. Jahrhundert hängende Christbäume bekannt, die man am Balken der Stubendecke mit dem Wipfel nach oben oder nach unten anbrachte und mit Papierketten schmückte. Viele Details ähneln sich beim Gebrauch des Weihnachtsgrüns an unterschiedlichen Orten und Zeiten, Christbaum-Vorläufer und kontinuierliche Entwicklungsreihen lassen sich daraus aber nicht ableiten.

Die Landwirte steckten Buschen (Boschen) auf den Zaun, in den Hof, zum Stall, auf den Brunnen oder auf den Misthaufen und putzten damit die Kamine - was 1729 in Salzburg verboten wurde. Außerdem rügte die Obrigkeit den „abergläubigen Gebrauch“ der Nadelbäume. Das Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens weist bei allen verwendeten immergrünen Pflanzen (Fichte, Tanne, Föhre, Wacholder) darauf hin, dass ihre spitzen Nadeln zur Abwehr von Unheil, Blitzen, Dämonen, Hexen und Gespenstern dienen sollten. Nachrichten über geschmückte Christbäume finden sich 1419 in Freiburg/Br., 1561 in Ammerschweier im Elsass, 1604 in Strassburg. In nachreformatorischer Zeit lehnten katholische wie evangelische Pfarrer den Christbaumbrauch ab, letztere aber offenbar weniger.

Protestantische deutsche Bürgerfamilien und Adelige, die zur Kongresszeit nach Wien kamen, zählten hier zu den Innovatoren des Christbaum-Brauches. Viel zitiert in diesem Zusammenhang ist Prinzessin Henriette von Nassau-Weilburg (1797-1829), die Gattin Erzherzog Karls (1771-1847), in deren Stadtpalais 1816 einer der ersten Christbäume stand. 1814 wurde das erste „Christbaumfest nach Berliner Sitte“ in Wien aktenkundig. Der geschmückte Baum befand sich in der Familie des Bankiers Nathan Adam Arnstein (1748-1838) und seiner aus Berlin stammenden Frau Franziska (1758-1818). Fanny Arnsteins großbürgerlich-liberaler Salon (Hoher Markt 1)bildete einen Mittelpunkt des Kultur- und Gesellschaftslebens. Ein Geheimpolizist, der sich unter den Gästen befand, berichtete am 26. Dezember 1814 über den „brennenden Weihnachtsbaum“: „Bei Arnsteins war vorgestern nach Berliner Sitte ein sehr zahlreiches Weihbaum- oder Christbaumfest. Es waren dort alle getauften und beschnittenen Anverwandten des Hauses. alle gebetenen, eingeladenen Personen erhielten Geschenke oder Souvenirs vom Christbaum.“ Einige Jahre zuvor feierte man im katholischen Wien ein Familienfest mit Baum und Bescherung nicht zu Weihnachten, sondern am Tag den hl. Nikolaus, der als Gabenbringer galt und dies noch einige Zeit parallel zum Christkind blieb. Zwischen 1830 und 1850 hielt der Christbaum Einzug in die bürgerliche Mittelschicht.

Christbaumverkauf beim Schubertbrunnen Wien 9, Foto: Doris Wolf, 2013

2015 kamen in Österreich 2,6 Mio. Christbäume auf den Markt, davon 90 % aus einheimischer Produktion, zumeist aus Niederösterreich. Rund 2000 Produzenten hatten diese auf einer Anbaufläche von je 4 bis 4,5 ha. herangezogen. Spitzenreiter war wieder die Nordmanntanne mit Preisen von 10 bis 35 € pro Laufmeter, sowie die Fichte (7 bis 14 €). Die meisten Bäume waren 1,60 m bis 2 m hoch.

1871 berichtete die Familienzeitschrift "Gartenlaube" von einem Christbaum für alle bei Schulen und Kirchen. 1912 stand der erste auf einem öffentlichen Platz, dem Madison Square in New York, 1915 und 1919 gibt es Belege aus Deutschland, Schweden und Norwegen. In Österreich befanden sich beleuchtete Weihnachtsbäume u.a. vor der Wiener Staatsoper, 1955 in mehr als 600 Orten. Symbolische Baumgeschenke gab es erstmals 1945 durch die Norweger für London. In Wien erhebt sich seit 1959 ein Baum aus einem anderen Bundesland - erstmals: Kärnten - vor dem Rathaus. 2015 war der "Christbaum für alle" vor dem Rathaus eine 110-jährige, 28 m hohe Fichte aus Tirol. Sie wurde im Jänner vom Forstamt abgetragen und zu Brettern für Tische und Bänke verarbeitet.

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Seit 1990 gibt es in Wien Christbaumsammelstellen. Anfangs wurden rund 40.000 Bäume abgegeben und kompostiert. Nach 25 Jahren (2015) waren es 512 Plätze, bei denen rund 135.000 Bäume, oder 600 Tonnen Holz deponiert wurden, um daraus Fernwärme zu gewinnen.

Einen sozial motivierten Brauch mit alten Christbäumen pflegt man seit 2014 beim Europaschloss in Leiben (Bezirk Melk, NÖ) gepflegt. Mehr als 50 Menschen nahmen am "Christbaum-Weitwerfen" teil. Der Baum des Siegers flog 10,80 Meter durch die Luft. Der Reinerlös (rund 1000 Euro) kommt dem Kinderhaus Leiben zugute.

Fotos: Doris Wolf 2012


Quellen:
Helmut Fielhauer: Christbaum-Nachlese. In: Volkskunde als demokratische Kulturgeschichtsschreibung. Wien 1987. S. 246-263
Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien. Wien 1992-1997. Bd 1 / 162 f.
Leopold Schmidt: Brauch ohne Glaube. In: Ethnologia Bavarica Heft 5. Würzburg 1977
Helga Maria Wolf: Weihnachten. Kultur & Geschichte. Wien 2005. S. 38 f
Richard Wolfram: Christbaum und Weihnachtsgrün. Kommentar zum Öst. Volkskundeatlas. S. 54
CD-Rom Im Winter und zur Weihnachtszeit. Salzburg 2002
Wiener Bezirksblatt 38/2011
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Biochristbaum
2015 Publiziert 5.12.2015
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