Eiche #

Eiche im Währinger Park, Wien 18, gepflanzt 1923. Foto: Alfred Wolf
Eiche im Währinger Park, Wien 18, gepflanzt 1923. Foto: Alfred Wolf
Der deutsche Name Eiche stammt vom lateinischen Esca (Speise). Die Gattung der Eichen umfasst 600 Arten, davon 450 in der Untergattung Quercus. Nach den Buchen, zu deren Familie sie zählen, sind Eichen in Deutschland die meist verbreiteten Laubbäume in Mischwäldern. Die Deutsche Eiche oder Stieleiche erreicht eine Höhe von 40 m und ein Alter von 1000 Jahren. Das harte, dauerhafte Holz wird traditionell als Bau- und Möbelholz und beim Schiffbau verarbeitet. Die Rinde, die bis zu 20 % Gerbsäure enthält, fand als Gerberlohe und Heilmittel Verwendung. Lange Zeit hatten Eicheln große Bedeutung für die Schweinehaltung. Vom frühen Mittelalter bis ins 17. Jahrhundert waren Zahlungen für diesbezügliche Nutzungsrechte an Wäldern eine wichtige Einkommensquelle für die Grundherren.

In vorchristlicher Zeit zählte die Eiche (Quercus robur) zu den am meisten verehrten Waldbäumen. Berühmt war die Donar-Eiche bei Geismar (Deutschland), eines der wichtigsten germanischen Heiligtümer, die der angelsächsische Missionar und spätere Mainzer Bischof Winfried-Bonifatius (672-754) um 725 fällen ließ. Dies geschah unter dem Schutz fränkischer Soldaten und in Gegenwart zahlreicher Bewohner, denen er die Nichtigkeit ihrer Gottheiten vor Augen führen wollte. Vom Holz des mächtigen Baumes ließ er eine Kapelle bauen, aus der das Benediktinerkloster Fritzlar entstand. Nach der Christianisierung erscheint die Eiche entweder als "heiliger" (Bildereiche) oder "verwünschter" Baum. Noch im 17. Jahrhundert meinte man durch Eichenholz und -laub, Zauberei abwehren zu können. In der Volksmedizin zählte die Eiche zu den bevorzugten Orten für das Übertragen einer Krankheit. Diese wurde im Stamm "verbohrt". Große Exemplare hielt man geeignet zum Durchkriechen oder Durchziehen der Patienten. 

Charakteristisch sind die sommergrünen oder immergrünen gelappten Blätter, die seit der Gotik als Ornament verwendet wurden. Eichenlaub kommt auf militärischen Rang- und Ehrenzeichen, deutschen Wappen und Münzen vor. Seit dem 18. Jahrhundert gilt die Eiche als deutscher Nationalbaum. Sieger der Sportvereine des nationalistisch gesinnten "Turnvaters" Friedrich Ludwig Jahn (1772-1852) erhielten Eichenzweige und -kränze als Preis. Zu Ehren gefallener Soldaten wurden Eichenhaine angelegt.


Quellen: 
Beitl: Wörterbuch der deutschen Volkskunde. Stuttgart 1974. S. 160
Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens. Berlin 1929/1987. Bd. 2/Sp. 646 f.
Wikipedia: Stieleiche (Stand: 12.5.09)
Wikipedia: Eiche (Stand: 12.5.09)