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Eisenbahn#

Bahnhof Wien-Spittelau. Foto: Doris Wolf
Bahnhof Wien-Spittelau. Foto: Doris Wolf
In England wurde 1795 die erste Pferdeeisenbahn für den Personen- und Güterverkehr eröffnet, 1804 begann dort die Entwicklung der Dampflokomotive. In Österreich hielt das Zeitalter des Schienentransports 1832 mit der Pferdeeisenbahn Linz - Budweis Einzug. Sechs Jahre später wurde die Kaiser-Ferdinands-Nordbahn als erste Dampfeisenbahn Österreichs eröffnet. Die Jungfernfahrt von Floridsdorf nach Deutsch Wagram war ein Spektakel für Tausende Neugierige und 218 Passagiere. Die Reisegeschwindigkeit lag bei 30 km/h. 

1841 folgte die "k.k. südliche Staatsbahn". Markantester Abschnitt der Südbahn ist die Semmeringstrecke. Die 1854 dem Verkehr übergebene erste Gebirgsbahn Österreichs avancierte zur viel bewunderten Touristenattraktion und 1999 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Ende 1858 war das erste große Teilstück der Kaiserin-Elisabeth-Bahn (Westbahn) fertig. Die Kopfbahnhöfe erhielten stadttorähnliche, prächtige Aufnahmegebäude im Stil des Historismus. Der Westbahnhof wurde mit allegorischen Figuren über dem Hauptportal ausgestattet, im Vestibül stand eine lebensgroße Marmorstatue der Kaiserin Elisabeth, auf dem stadtseitigen Gebäudeteil befand sich die Plastik eines Löwen. 1866 folgte die jüngste Linie, die (Kaiser-) Franz-Josefs-Bahn Richtung Prag. 

Die Erschließung neuer Räume veränderte das Landleben. Produkte konnten nun einfacher auf den Markt in der Stadt gebracht werden. Andererseits wurde durch neue Waren "die alte Volkskultur zum Erliegen gebracht", wie das Wörterbuch der deutschen Volkskunde feststellt. Abgesehen von der enormen wirtschaftlichen und finanziellen Bedeutung begründete die Bahn die Reise als neue Erlebniswelt. Die höhere Geschwindigkeit verlangte eine andere Art des Sehens. Die vorüberfliegende Landschaft hatte nichts mehr mit dem als "lebendige Kontinuität erfahrenen Reiseraum" der Postkutschenzeit zu tun.


Quellen: 
Beitl: Wörterbuch der deutschen Volkskunde. Stuttgart 1974. S.167
Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien. Wien 1992-1997. Bd. 2 / S. 149 f.
Alfred Wolf: Die Franz-Josefs-Bahn und ihre Nebenlinien. Erfurt 2006


Siehe auch:
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