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Emmausgang #

Kellergasse

Am arbeitsfreien Ostermontag bieten sich Ausflüge geradezu an. Der berühmteste Osterspaziergang findet sich in Goethes "Faust I": "Vom Eise befreit sind Strom und Bäche ... Hier bin ich Mensch, hier darf ich's sein!" Die christliche Variante nennt sich Emmausgang nach der Bibelstelle von den Emmausjüngern (Lk 24,13-35), die den Auferstandenen treffen, aber nicht erkennen. Im Pulkautal (Niederösterreich) luden die Weinbauern ihre Arbeiter in die Kellergasse ein und kredenzten ihnen roten Wein, weißes Brot und schwarzes Fleisch (Geselchtes). Damit verbindet sich der Spruch "So mancher geht eben aus und kommt schief heim". Revitalisiert lockt der alte Brauch am Ostermontag viele Wiener ins Weinviertel.

In den 1980er Jahren entdeckten Winzer im Pulkautal den Brauch wieder, wobei sie alle Gäste gratis bewirteten. Die Folge war ein enormer Ansturm aus Wien, dem sie sich nicht mehr gewachsen fühlten. Inzwischen organisiert die "Weinstraße Niederösterreich" das Greangehen unter dem Motto "Alte Bräuche und junge Weine". Sie wirbt: "Heute wird die Grean (gemeint ist damit das erste, zarte Grün des Frühlings) in einigen Gemeinden genutzt, um die Kellergassen-Saison zu eröffnen. Man trifft sich vor den Presshäusern, wird mit bodenständigen Schmankerln bewirtet und darf vom frischen Wein kosten. Spaziergänge in die erwachende Natur gehören natürlich auch dazu. … Ostergrean und Emmausgang werden zum Beispiel am 1. April in der Kellergasse am Beri in Hanfthal gefeiert …" ebenso in der Weinberggasse in Unterretzbach, am Galgenberg in Wildendürnbach, in der Kellergasse Stoitzendorf bei Eggenburg und in Stetteldorf am Wagram.


Quellen: Helga Maria Wolf: Das neue BrauchBuch. Wien 2000. S. 146.
http://www.weinstrassen.at/?tt=WSN_PORTAL&id=140074

Bild: Kellergasse in Mailberg (Niederösterreich) um 1990. Foto: Alfred Wolf