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Erntedankfest #

NEU Erntedankfest 2016

2016 feierte die Jungbauernschaft ihr Erntedankfest im Augarten. Ihr Motto: "Von daheim schmeckt's am besten".

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11.9.2016 - Alle Fotos: (c) Doris Wolf

--> Essay Ernte

--> Fotos 2013

--> Fotos 2015

Erntedankfest, Broschüre von L. Teufelsbauer, 1933

Erntedankfeste waren schon in der Antike üblich. Einige der bedeutendsten jüdischen Feste, wie das Laubhüttenfest (Sukkot) und das Wochenfest (Schawuot) sind Erntedankfeste. Die heute allgemein bekannten kirchlichen Feiern sind weit jüngeren Ursprungs. Sie wurden in den 30er- Jahren des 20. Jahrhunderts als christliche Überhöhung profaner Arbeitsbräuche eingeführt. Sichtbares Zeichen ist die Erntekrone, eine Bügelkrone mit vier oder sechs Bögen, die auf einem Reifen sitzen und meist in einem Kreuz münden. Das meterhohe Metallgestell ist mit Getreide verschiedener Arten umwunden, das Kreuz an der Spitze aus vergoldeten Nüssen, Mohnkapseln oder etwas ähnlichem gefertigt. 

Aus einem schlichten Zeichen, dem Kranz der Gutshof- und Saisonarbeiter, die damit die Fertigstellung der Arbeit und ihrer Forderung nach dem entsprechenden Fest Ausdruck verliehen, wurde ein katholisches Standessymbol der Bauern. Innovatoren waren geistliche Volksbildner wie Josef Weigert in Deutschland oder Leopold Teufelsbauer (1886-1946) in Österreich. Teufelsbauer widmete 1933 dem Erntedankfest eine Kleinschrift des von Pius Parsch (1884-1954) geleiteten Volksliturgischen Apostolats in Klosterneuburg. Er schlug vor, das neue Fest am Quatembersonntag Mitte September, in Weinbaugemeinden an einem Sonntag im Oktober, zu begehen. Das Heft gibt ein Modell bis ins Detail, von der Einladung über Lieder und Texte, Herstellung der Erntekrone und Anregungen für das anschließende Dorffest. Als Direktor des bäuerlichen Fortbildungswerkes in Hubertendorf bei Blindenmarkt (Niederösterreich) hatte Teufelsbauer starken Einfluss auf die Verbreitung des Brauches. 1929-1935 zählten seine 115 Volksbildungskurse fast 5000 Teilnehmer. Das Erntedankfest entsprach dem Zeitgeist. Nicht nur die Katholiken, auch die politischen Machthaber erkannten den Wert des demonstrativen Zeichens. Die Bestrebungen gipfelten in dem seit 1933 organisierten Erntedanktag des deutschen Volks am Bückeberg bei Hameln (Deutschland). 

Erntekrone in Pötzleinsdorf, Foto: Doris Wolf 2013
Erntekrone in Pötzleinsdorf, Foto: Doris Wolf 2013
Erntedank-Korb, Foto: Doris Wolf 2013
Erntedank-Korb, Foto: Doris Wolf 2013

Üblicherweise orientiert sich das Programm der Erntedankfeste nach wie vor am Teufelsbauer-Modell: Festgottesdienst, Segnung der Erntegaben, Frühschoppen, Agape, Umzug mit der Erntekrone und rustikal geschmückten Wagen, Tanz und Unterhaltung. Gerne werden in das Festgeschehen Kinder einbezogen, die Körbe mit Früchten zum Altar bringen, und die Erntegaben sozialen Zwecken zugeführt. Jugendgruppen finden Alternativen, indem z.B. die Arbeiterjugend verschiedene Berufsgruppen Kronen aus typischen Materialien (Metall, Baustoffe ...) herstellen lässt. Die Weinbauern feiern ihre Ernte unter dem Zeichen der Hauerkrone (z.B. in Neustift am Walde, Wien 19 oder Pötzleinsdorf, Wien 18). In den Wiener Außenbezirken - z.B. Leopoldauer Erntedankfest mit Andacht, großem Festzug, Weinkost und Blasmusik - gibt es mehrere Erntedankfeste.

Seit dem Jahr 2000 fand Österreichs größtes Erntedankfest veranstaltet vom Bauernbund, auf dem Wiener Heldenplatz statt. 300 bäuerliche Betriebe beteiligen sich an der Leistungsschau, wo man Spezialitäten aus den genussregionen Österreichs verkosten und erwerben kann. Rund 300.000 Besucher nützen das Angebot. Auf dem Programm des zweitägigen Festes stehen u.a. Showelemente, die Segnung der Erntegaben durch den Dompfarrer und der Umzug der Erntewagen unter der Begleitung von Blasmusikkapellen. Weil der Veranstaltungsort Heldenplatz 2016 wegen Bauarbeiten nicht verfügbar ist, wird das Fest im Augarten (Wien 2)stattfinden.

Bei der im Frühjahr 2016 durchgeführten IMAS-Umfrage "Traditionen und Bräuche" (Archiv Nr. 016041) gaben 71% an, das Erntedankfest zu kennen und 18 %, selbst zu feiern.


Quelle:  Helga Maria Wolf: Österreichische Feste und Bräuche im Jahreskreis. St. Pölten 2003. S. 154 f.

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