Erster#

Der männliche Erstgeborene genoss eine Sonderstellung, z.B. als Thronfolger. Auch bei Bürgern und Bauern wurden Festlichkeiten abgehalten und der Sohn mit Münzen beschenkt, auf dass er immer Glück und Geld habe. Als erhoffter Erbe erhielt er meist den Vornamen des Vaters oder Großvaters. Viele bäuerliche Familien verzichteten auf ihren ältesten Sohn, damit dieser Priester werden sollte.

Männlichen und weiblichen Erstgeborenen schrieb man magische und heilende Kräfte zu, so sollten sie die Gabe haben, jemand vom "bösen Blick" zu befreien.Der erste Austrieb des Viehs war von abergläubischen Handlungen begleitet, um eine gute Weidesaison zu gewährleisten. In vielen Kulturen spielte das Erstlingsopfer eine Rolle. Man opferte der Gottheit ein erstgeborenes Tier oder landwirtschaftliche Produkte.

Der Monatserste ist für Gehaltsempfänger von großer Bedeutung ("Das Leben ist am schwersten drei Tage vor dem Ersten…") In einigen Monaten ist er ein Feiertag: Neujahr (1.Jänner), Staatsfeiertag (1. Mai), Allerheiligen (1. November). Zu Neujahr spielte es eine Rolle, wer einem als erster begegnete. Im Sinn des guten Omens sollte es ein Bub sein. Den 1. April dürften die Launen des Wetters zum Neck- und Scherztag gemacht haben. Der Redensart "in den April schicken" begegnet man 1618 in Bayern. Volkstümliche Erklärungen meinen, dass an diesem Tag Jesus von Pontius zu Pilatus geschickt worden sei. Ebenso könnte die Verlegung des Neujahrstermins in Frankreich vom Frühjahr auf den 1. Jänner (1564) damit zu tun haben.


Quellen: 
Beitl: Wörterbuch der deutschen Volkskunde. Stuttgart 1974. S. 182 f
Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens. Berlin 1927/1987. Bd. 2/Sp. 975 f.