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Evangelische Kirche #

Evangelische Stadtkirche A.B., Wien 1, Foto: Doris Wolf
Evangelische Stadtkirche A.B., Wien 1, Foto: Doris Wolf

Als Evangelische Kirche bezeichnen sich christliche Kirchen in der Tradition der Reformation

Die Reformation (lat. reformatio - Wiederherstellung, Erneuerung) war jene kirchliche Erneuerungsbewegung im 16. Jahrhundert, deren theologischer Urheber und Lehrer Martin Luther (1483-1546) ist. Sie hatte eine Reihe philosophischer, religiöser, sozialer, wirtschaftlicher und politischer Ursachen und führte zur Spaltung des westlichen Christentums in verschiedene Konfessionen (katholisch, lutherisch, reformiert). 

Im Gegensatz zur katholischen Lehre stehen die „vier Soli“ der Reformation: 

  • Sola fide – allein durch den Glauben wird der Mensch gerechtfertigt, nicht durch gute Werke  
  • Sola gratia – allein durch die Gnade Gottes wird der Mensch errettet, nicht durch eigenes Tun 
  • Solus Christus – allein Christus, nicht die Kirche, hat Autorität über Gläubige 
  • Sola scriptura – allein die (Heilige) Schrift ist die Grundlage des christlichen Glaubens, nicht die Tradition. 

Im Reformationszeitalter war der überwiegende Teil der österreichischen Christen evangelisch, durch die rigorosen Maßnahmen der Gegenreformation wurden sie wieder "katholisch gemacht". Kaiser Josef ll. erließ 1781 das Toleranzpatent, das evangelisches Leben unter bestimmten Voraussetzungen duldete. Kaiser Franz Joseph l. sicherte im Protestantenpatent von 1861 volle Freiheit des Bekenntnisses und der öffentlichen Religionsausübung zu. 1961 beschloss das Parlament das Protestantengesetz nach dem Motto "Freie Kirche im freien Staat". Derzeit liegt der Anteil der evangelischen Gläubigen bei knapp 5 %, etwa 311.000 Menschen in 202 Pfarrgemeinden gehören dem Augsburger Bekenntnis an, 14.000 ÖsterreicherInnen in 9 Pfarrgemeinden dem Helvetischen Bekenntnis (Reformierte Kirche). 

Die Reformatoren lehnten viele Aspekte der spätmittelalterlichen Frömmigkeit ab (z.B. Ablass, Reliquienkult, Heiligenverehrung), Kirchen und Gottesdienste wirken strenger als bei den Katholiken. Dennoch ist es ein Vorurteil, dass die protestantische Brauchlandschaft karger sei. Brauchtümliche Zeichen wie Adventkranz oder Christbaum kommen aus der evangelischen Kirche. 

Der Reformationstag erinnert daran, dass Martin Luther 1517 am Vorabend des Allerheiligenfestes 95 Thesen zu Ablass und Buße veröffentlichte und nach der Überlieferung am Tor der Wittenberger Schlosskirche angebracht hat. Ein akademischer Brauch, der zur Diskussion der Gelehrten anregen sollte, hatte weit reichende Folgen. Der Thesenanschlag gilt als Beginn der reformatorischen Bewegung. Seine Jahrestage wurden schon im 16. Jahrhundert gefeiert.

Das Gustav-Adolf-Fest ist der evangelische Antibrauch zum katholischen Fronleichnam. Tausende Gäste nehmen an den Kirchentagen der Diözesen teil, die mit Gottesdiensten, Diskussionen, Kinder-und Jugendprogrammen gestaltet werden. Gustav-Adolf-Vereine unterstützen als Hilfswerk Bau und Erhaltung von Kirchen, Pfarrhöfen und Gemeindeeinrichtungen. Mit dem 1832 gegründeten, weltweit tätigen Werk soll dem Schwedenkönig Gustav II. Adolf (1594-1632) ein "lebendiges Denkmal" gesetzt werden. In Österreich besteht der Verein seit 1862.


Quellen:
Helga Helga Maria Wolf. Das neue BrauchBuch. Wien 2000. S. 191, 250
Wikipedia: Evangelische Kirche (Stand: 14.5.09)
Evangelische Kirche Österreich