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Wiener Eistraum vor dem Rathaus. Foto: Doris Wolf, 2013
Wiener Eistraum vor dem Rathaus. Foto: Doris Wolf, 2013

Feste in der Erlebnisgesellschaft werden oft als Events bezeichnet. "Erlebnisorientierung als die unmittelbarste Form der Suche nach Glück kennzeichnet die moderne Art zu leben", schreibt der deutsche Sozialforscher Gerhard Schulze, "das ist im historischen Vergleich etwas Neuartiges". Die Menschen sehen ihr Leben als Erlebnisprojekt an. Sie haben die Wahl und entscheiden sich für die Möglichkeit, die ihnen mehr davon verspricht: Konsumartikel, Essgewohnheiten, Partnerwahl, Beruf, Freizeit, Feste ... Für Erlebnis-Genuss bürgen Event-Agenturen wie die 1998 in Wien gegründete Agentur "hallamasch". Ihr Leiter, Andreas Hladky, betonte in einem Interview: "Wir arbeiten an Emotional-Events. Wir versuchen, Inhalte auf emotionaler Ebene zu vermitteln. Wir wollen, dass sich die Leute gut fühlen und dass sie Freude haben. Wir arbeiten mit Objekten, Kostümen, Musik - mit allem, was ein Ereignis lebendig macht."

  Durch Wiederholung können sich Events zu neuen Bräuchen entwickeln. Professionell organisiert, wenden sie sich an eine große Zahl von Zuschauern und brauchen zur Werbung und Berichterstattung Massenmedien. "Ein Event ohne Medien gleicht einem Fest ohne Freibier - unmöglich!" Die meisten säßen vor dem Fernseher "und werfen Seitenblicke auf Events, zu denen sie nicht eingeladen waren," meint Christian Zillner, Chefredakteur des "Visa"-Magazins. "Es läuft darauf hinaus, dass, wer Event sagt, heute 'in' ist, wer ein Fest feiert, aber hoffnungslos altvaterisch klingt." 

Allein in Wien gab es in den vergangenen Jahren eine Fülle von Events, z.B.: Adventkonzerte, Adventzauber und Christkindlmarkt, Ball des schlechten Geschmacks, Baustellenfeste, Bezirksfestwochen, Blasmusikfestival, Daddy Days, Donauinselfest, Donauturm-Treppenlauf, Donnerstag-Demonstration, Eistraum, Europafest, Europride-Festival, Fackelzüge, Familienfest zum Kindertag, Ferienspiel, Fest der Bevölkerung im Augarten, Fest für Jesus, Filmfestival, Flohmärkte in Einkaufsstraßen, Flüchtlingsball, Freeparty, Gemeindebaufeste, Gleichenfeiern, Grätzlfeste, Grundsteinlegungen, Hallamasch, Jazzfest in der Spittelau, Jugendmusikfest, Kinderfeste, Kirtage, Klangbogen, Lichterlfest am Donaukanal, Lifeball, Love Parade, Maifest, Martinigansl-Essen, Mistfest, Mittelalterfest, Neujahrskonzert, Oktoberfeste, Opernball, Opernballdemo, Ostermärkte, Palmdonnerstag, Pfarrfeste, Regenbogenparade, Rote-Nasen-Tag, Rudolfsplatzfest, Schmelzfest, Silvesterpfad, Sommerabendfest im Dominikanerviertel, Sommerfeste, Sprachenfest der VHS, Stadtkreuzwege, Straßenkunstfestival, Studentenfeste, Sturmfest im Prater, Summerstage am Donaukanal, Suppensonntag, Thalia-Herbstmarkt, Tierschutztag am Rathausplatz, Türkenschanzparkfest, U-Bahn-Eröffnungen, Volksstimmefest, Vollmondfeste, Weihnachtsmärkte, Weltspartag, Wiener Festwochen, Wiener Stadtfest ...

Die heimische Eventbranche sichert Steuern im Milliardenhöhe und Arbeitsplatze. Davon profitieren Eventagenturen und Unternehmen, die öffentliche Verwaltung. Beherbergungs- und Gaststätten, Vermieter beweglicher Sachen, Kultur-, Sport- und Unterhaltungsunternehmer, Beherbergungs-und Gaststättenbetriebe.

Quellen:
Helga Helga Maria Wolf: Feste in der Erlebnisgesellschaft. In: Feste Feiern. Katalog zur OÖ Landesausstellung, Waldhausen 2002
Gerhard Schulze: Die Erlebnisgesellschaft. Kultursoziologie der Gegenwart. Frankfurt 1992.
"Die Presse" 9. Oktober 2001
Visa-Magazin 6/2000
Weekend-Magazin November 2011
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