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Fahnenschwingen#

Bis ins 17. Jahrhundert pflegten die Landsknechte das Fahnenschwingen. Burschenschaften und Schützenkompanien übernahmen den Brauch bei festlichen Anlässen. Dazu verwenden sie bis zwei Meter lange Fahnen mit kurzem Griff. 

Im 17. Jahrhundert pflegten einige Dombaumeister bei besonderen Anlässen auf der Bekrönung des Wiener Stephansturms eine Fahne zu schwingen. Erstmals wurde davon 1608 berichtet, ebenso 1635 und 1658, zum Einzug des neu gewählten römischen Kaisers Leopold I. (1640-1705). Zu dieser Fahnenbegrüßung fand sich jedoch kein Dombaumeister mehr bereit, sodass ein Gärtner um den Lohn von 12 Talern dafür engagiert wurde. Da sich der Einzug verzögerte, musste er die Nacht unter Lebensgefahr auf der Turmspitze verbringen. Danach wurde der Brauch abgeschafft.

Im Burgenland ist das Neckenmarkter Fahnenschwingen am Sonntag nach Fronleichnam bekannt. Es geht auf ein Privileg aus dem Jahr 1620 zurück, als die Neckenmarkter Nikolaus Graf Esterhazy militärisch beistanden. Seither dürfen sie "an Feiertagen in ihrer Heiduckentracht, in Waffen mit der Esterhazy'schen Fahne" ausrücken. Die Fahne aus Seide ist mit dem Bild des gekrönten Doppeladlers bestickt. Sie wird im Lauf des Tages 30 mal je drei mal rechts und links geschwungen. Um diesen Brauch, den die unverheirateten Männer des Ortes (Burschenschaft) durchführen, hat sich eine Reihe von Ritualen entwickelt.

In Salzburg zählt das Fahnenschwingen der Metzger zu den Bräuchen des Faschingsonntags. Der Fleischerjahrtag reicht bis 1512 zurück. Von den zahlreichen Zunftbräuchen haben sich der Besuch der Festmesse, das Fahnenschwingen und der Metzgersprung durch die Jahrhunderte erhalten. Durch den Metzgersprung in einen Bottich voll Wasser werden die Lehrlinge laut Überlieferung „von den Sünden reingewaschen, die sie während der Lehrzeit begangen haben“. Beim anschließenden Fahnenschwingen im Hof von St. Peter haben die Junggesellen Gelegenheit, ihre Geschicklichkeit und Kondition unter Beweis zu stellen. Die Zunftfahne der Fleischerinnung wieg 40 kg. Als Spezialität zum Jahrtag gibt es die "Salzburger Stockwurst".


Quellen: 
Beitl: Wörterbuch der deutschen Volkskunde. Stuttgart 1974. S. 192
Helga Maria Wolf: Österreichische Feste & Bräuche im Jahreskreis. St. Pölten 2003. S. 91
Neckenmarkt
Salzburg
Gerhard Robert Coeckhelberge zu Dützele ("Realis") Curiositäten- und Memorabilien-Lexicon von Wien. Wien 1846. CML, I/420
Karl Zinnburg: Salzburger Volksbräuche. Salzburg 1972