Farben #

Farben

Farbwahrnehmung ist die Fähigkeit, elektromagnetische Wellen verschiedener Längen zu unterscheiden. Trifft Licht eines bestimmten Wellenlängenbereichs auf das Auge, kommen zur Sinnesempfindung auch psychologische Wirkungen. Spektralfarben im Regenbogen - Rot, Orange, Gelb, Grün, Blau, Indigo Violett - entstehen durch die Brechung des Lichtes. Dazu kommen die Unbuntfarben Weiß, Grau und Schwarz. 

Farben spielen in der Welt der Flaggen und Heraldik eine wesentliche Rolle, stehen für Firmen und politische Parteien. Farbe bewirkt Assoziationen und Erinnerungen, wie Rot - Feuer - Gefahr (daher das Rotlicht der Verkehrsampel), Grün - Gras, Natur, Blau - Himmel, Meer etc. Dabei bestehen individuelle und kulturspezifische Unterschiede und - durch Tradition und Erziehung - viele Gemeinsamkeiten. Bekannte Bedeutungen in unserem Kulturkreis sind: "Rot ist die Liebe, Blau die Treue, Grün die Hoffnung, Gelb der Neid, Weiß die Unschuld". Bestimmte Farben galten den Religionen als heilig. Im alten Ägypten z.B. Weiß, Grün, Rot, Purpur. Jüdische Kultgewänder waren Weiß (Heiligkeit), Blau (Himmel, Gott), Rot (Blut), Purpur. Purpur als teuerste Farbe galt als Symbol der königlichen Majestät. In der orientalischen Kirche trug man im 5. Jahrhundert nur weiße und schwarze Gewänder. Papst Innozenz III. (1160-1216) führte je nach Kirchenjahrszeit und Fest vier liturgische Farben ein: Weiß (Freude, Unschuld), Rot (Blut der Märtyrer, Feuer des hl. Geistes), Grün (Hoffnung), Schwarz (Trauer) bzw. Violett (Buße). In den 1920er- Jahren wurde es üblich, männliche Babies hellblau, weibliche rosa zu kleiden. Dies kann sich nicht auf historische Vorläufer stützen, denn Blau war als Marienfarbe eher weiblich besetzt, das vitale und kriegerische Rot männlich. Vor Weihnachten 2009 wandten sich britische Aktivistinnen gegen die "Mädchenfarbe" rosa.

Im 13. Jahrhundert kam ein Brauch der französischen Ritter nach Deutschland: Das Kleiden in bestimmten Farben als "öffentlicher Liebesanzeiger": Grün (Freiheit), Rot (brennende Liebe), Blau (Treue), Schwarz (Trauer, Liebesleid), Weiß (Hoffnung), Braun (Gebundenheit). Die Kleiderordnung Ferdinand I. (1552) gab den fünf Ständen unterschiedliche Möglichkeiten von Materialien und Farben. Der untertänige Bauer und Taglöhner durfte nur Kleider aus einem ungefärbten Stoff billiger Sorte tragen. Ende des 17. Jahrhunderts wurde Bauern und Bäuerinnen die sparsame Verwendung der Farben Rot und Grün gestattet. Die Vorliebe für bestimmte Farben der Trachten war auch regional gebunden. Im allgemeinen wurden dunkle Farben, wie der "schwarze Anzug" als festlich angesehen. Auch Hochzeitskleider waren bis ins 19. Jahrhundert schwarz. Unter dem Einfluss der Empiremode, die helle Farben bevorzugte, kam das weiße Brautkleid auf, gegen Ende des 19. Jahrhunderts mit der Unschulds-Symbolik verknüpft. 

Farben kommen nach ihrer Bezeichnung oder allgemein in Redensarten vor. "Jemand hat eine gute Farbe" (sieht gesund aus), Farben "beißen" oder "schlagen" sich, wenn sie nicht harmonieren. Man "malt sich etwas in den schlimmsten Farben aus". "Jemandes Farbe tragen" kommt von der Abhängigkeit der livrierten Diener, "die Farbe wechseln" von der Fahne oder Uniform (seiner Überzeugung untreu werden). Beim Kartenspiel muss man "Farbe bekennen". "Reden wie der Blinde von der Farbe" findet sich 1524 in einer Hildesheimer Chronik.


Quellen: 
Beitl: Wörterbuch der deutschen Volkskunde. Stuttgart 1974. S. 196 f.
Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens. Berlin 1927/1987. Bd. 2/Sp. 1190 f.
Lutz Röhrich: Das große Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten. Freiburg/Br. 1991. Bd. 1/S. 414
Wikipedia: Farben (Stand: 15.5.09)
Farbimpulse
Liturgie
Kritik an Mädchenfarbe rosa

Bild: Zwölfteiliger Farbtonkreis