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Firmung #

Firmung

Die Firmung, eines der sieben Sakramente der katholischen Kirche, steht in enger Verbindung zur Taufe. Bis zum 4. Jahrhundert wurden beide gemeinsam gespendet. Sie ist das zweite Sakrament der Initiation, der Name leitet sich von Confirmatio ab, im Sinn von Stärkung. Im römisch-karolingischen Taufritus war eine zweifache Salbung vorgesehen, mit der Bedeutung Reinigung und Geistmitteilung. Die erste sollte der Priester, die zweite der Bischof vollziehen. Da auf dem Lande selten ein Bischof anwesend war, wurden die beiden Salbungen zeitlich getrennt und die Firmspendung mit einer bischöflichen Visitiation verbunden. Für die Paten bürgerten sich die Bezeichnungen pater bzw. mater spiritualis ein. Es lag in ihrer Verantwortung, die Neugetauften in die kirchlichen Bräuche einzuführen.

Das Zweite Vatikanische Konzil formulierte, dass die Gefirmten "mit einer besonderen Kraft des Heiligen Geistes ausgestattet" sind. Die apostolische Konstitution, die 1973 für den deutschen Sprachraum veröffentlicht wurde, brachte einige Neuerungen: Als Spender muss nicht mehr unbedingt der Bischof fungieren, es kann ein bevollmächtigter Priester sein. Die Spendung erfolgt innerhalb einer Messfeier nach dem Evangelium. Die Elemente sind: Vorstellung der Firmlinge, Ansprache, Erneuerung des Taufversprechens, Gebet und Chrisamsalbung unter Handauflegung. Der abschließende Friedensgruß ersetzt den seit dem 13. Jahrhundert üblich gewesenen Backenstreich. Damals wurden schon Kinder gefirmt, nach der Neuordnung können die Bischöfe ein "reiferes Alter" (meist 14) festlegen, auch Erwachsenenfirmungen sind üblich.

Da vor dem Zweiten Vatikanum das Sakrament nur in den Bischofskirchen gespendet wurde, war für viele Kinder aus dem Umland die Feier im Stephansdom der erste Anlass für einen Wien-Besuch. Traditionell wurden sie von den Paten ausgeführt. Geblieben ist die Redensart, jemand esse wie ein Firmling. Das klassische Geschenk war die goldene Uhr (vorher trugen Kinder keine Uhren), dazu Devotionalien wie ein schön gebundenes Gebetbuch, Rosenkranz und ein großer Luftballon. Nahezu obligatorisch war die Praterfahrt im geschmückten Fiaker oder Auto.


Quellen: 
Rupert Berger. Neues Pastoralliturgisches Lexikon. Freiburg/Br. 1999. S. 145
Protokolle zur Liturgie. (Hg. Rudolf Pacik und Andreas Redtenbacher). Würzburg 2008. S. 146
Helga Maria Wolf: Das neue BrauchBuch. Wien 2000. S. 172

Bild: Pate mit Firmling beim geschmückten Auto. Wien um 1960 Foto: Wolf