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Flößer#

Flötzerball. Aus dem Kronprinzenwerk, 1889
Flötzerball. Aus dem Kronprinzenwerk, 1889

Die Flößerei als Holztransport ist ein altes Gewerbe. Häufig organisierten sich die Flößer in Zünften. Da im Mittelalter in Europa die Straßenverhältnisse schlecht waren und kaum ein Wegenetz bestand, bevorzugte man den Wasserweg, umso mehr, als große Mengen Holz zu befördern waren. Bei der Trift (von treiben lassen) wurden Baumstämme in den Flusslauf geworfen. Dies geschah meist bei höherem Wasserstand im Frühjahr oder Herbst. An weniger wasserreichen Bächen legte man Stauseen (Klausen) an, um das Holz zu sammeln, das zur Schneeschmelze auf den Weg gebracht wurde. Holzknechte begleiteten es mit langen, hakenbewehrten Stangen, um quer gestellte Bäume wieder in die beabsichtigte Richtung zu bringen. 

Bei der Flößerei wurden die Stämme zusammengebunden und vor dem Verkauf am Zielort zerlegt. Bis ins 19. Jahrhundert brauchte man ungeheure Mengen, nicht nur als Bau-, sondern vor allem als Brennholz. 1865 landeten in Wien rund 1000 Flöße in der Rossau, Wien 9, und halb so viele in Nussdorf, Wien 19. Donau, Wienfluss und Wiener Neustädter Kanal dienten als Wasserstraßen, an deren Ufern sich große Holzlagerplätze befanden. Sie erstreckten sich vom Neutor (Wien 1) bis zur Spittelau (Wien 9), in der Leopoldstadt (Wien 2) bis zur Weißgerber-Vorstadt (Wien 3) sowie in der Brigittenau (Wien 20). Wien benötigte jährlich 300.000 Klafter (900.000 Raummeter) Brennholz, das meiste davon kam zu Wasser an. 1768 verbrauchten allein die bürgerlichen Wirte der Innenstadt 1.869 Klafter hartes und 873 Klafter weiches Holz. Auf einen Gastwirt kamen durchschnittlich 30 Klafter (90 Raummeter), die Energiekosten lagen bei 220 Gulden pro Heizsaison. Gäste in Fremdenzimmern mussten für die Heizung extra zahlen.

In Grünau im Almtal (Oberösterreich) veranstalteten die Holz- und Floßknechte am Faschingdienstag den Flötzerball. Traditionell hatten die einzelnen Berufsgruppen im Gasthaus ihren Stammtisch, den ein von der Decke hängendes Zunftzeichen markierte. In diesem Fall war es ein Miniatur-Holzfloß mit Holzfiguren, welche die Tätigkeiten darstellten. Vor dem Fasching ließen es die Flößer vom Tischler reparieren und mit Seidenbändern umwinden. Danach führten sie es auf einem von Ochsen gezogenen Schlitten durch den Ort. Das Gefährt war mit Fichtenbäumchen und bunten Bändern geschmückt. Daneben gingen die Flötzer und führten lautstark Parodien ihrer Arbeit aus. Einer wühlte mit einem Knüppel den Schnee auf, als würde er rudern, ein anderer ahmte das Messen der Wassertiefe nach, auch das Auffahren auf eine Sandbank wurde dargestellt. Dabei zerbrach das - eigens präparierte - Werkzeug zur Erheiterung der Zuschauer. Hatte der Umzug das Gasthaus erreicht, hängte man das Wahrzeichen an seinen gewohnten Platz und feierte mit Mahl und Tanz.


Quellen: 
Beitl: Wörterbuch der deutschen Volkskunde. Stuttgart 1974. S.  224
Helga Maria Wolf: Die Märkte Alt-Wiens. Wien 2006. S. 106 f.
Kronprinzenwerk - Kronprinz Rudolf (Hg.): Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild, Band VI, Oberösterreich und Salzburg. Wien 1889, S. 167
Wikipedia: Flößerei (Stand: 15.5.09)