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Frautragen #

Das Frautragen oder Herbergsuchen findet an den neun Abenden vor Weihnachten in Erinnerung an die neun Schwangerschaftsmonate statt. Es beruht auf der nicht-biblischen Szene, bei der ein hartherziger Wirt Josef und Maria den Einlass verweigerte. Der Brauch besteht darin, ein Marienbild oder eine -Statue jeden Abend zu einer anderen Familie zu bringen, wo man sich zum (Rosenkranz-) gebet versammelt. Das Bild kehrt in der Christnacht in die Kirche zurück oder bleibt bis zum Ende der Weihnachtszeit in der Familie, die es zuletzt bekommen hat. 

In Oberndorf an der Salzach (Salzburg) besucht eine Mädchengruppe mit einem 300 Jahre alten Marienbild rund 150 Haushalte. Die "Frauenbildtragerinnen" sind mit schwarzen Röcken mit rotem Saum, großen Schultertüchern (Schalktücher) und schwarzen Kopfüchern bekleidet. Der Brauch wurde vom Volksschullehrer Hermann Rasp (+ 1984) mit Frau und Tochter eingeführt. Er hatte 1934 bei einem Altwarenhändler das Bild der heiligen Familie erworben und besuchte mit diesem die Familien in der Nachbarschaft, inspiriert durch das Theaterstück "Alpenweihnacht in alter Zeit" von J. Prast aus dem Salzburger Borromäum.

Das Thema des Herbergsuchens findet sich erst nach dem Konzil von Trient unter den „verehrungwürdigen Lebensstationen“ Jesu. Es erschien 1566 im Catechismus Romanus, dessen Verbreitung den Jesuiten oblag. In den Exerzitien ihres Ordensgründers Ignatius spielte die „Zurichtung des Schauplatzes“ eine große Rolle. Vergangenes sollte durch Einbeziehung in die eigene Lebenswelt vergegenwärtigt werden und die Betrachtung zu einer Entscheidung oder Verhaltensänderung führen. Beim Herbergsuchen lag das Interesse auf der Barmherzigkeit, die Maria und Josef verwehrt blieb. Die Orden, auch die Franziskaner, ließen Tafeln malen, die „die heiligen Leut in der Umfuhr“ zeigten. Die Bilder wurden mit feststehenden Sprüchen feierlich begrüßt. Die Familien gestalteten eine Art Hausaltar und hielten eine Andacht, der ein geselliges Beisammensein folgte. Am nächsten Abend beim Aveläuten erschien der Zug der Kinder, jungen Frauen und Fackelträger wieder, um die Tafel in das nächste Haus zu bringen. Dass bei den Besuchen manchmal gut gegessen, viel getrunken und getanzt wurde, widersprach den kirchlichen Vorschriften und führte zeitweise zu Verboten. 

In der Barockzeit entwickelte sich ein beachtlicher Kult um die „Herbergsuche in Bethlehem“, forciert durch neue Gebetbücher, Lieder und Flugblätter. Weiteren Aufschwung erlebte der Brauch nach der Dogmenverkündigung der Erbsündefreiheit Mariens 1854 (Mariae Empfängnis). In Salzburg (St. Veit) findet sich der erste schriftliche Beleg für das Frautragen 1870. Um 1900 kam ein starker Impuls aus dem Münchener Servitinnenkloster. Zwischen 1892 und 1914 erschien der populäre Text „Geistlicher Krippenbau“ in zahlreichen Auflagen.


Quellen:
Dietz-Rüdiger Moser: Bräuche und Feste durch das ganze Jahr. Freiburg/Br. 2002. S. 61 f.
Helga Maria Wolf: Weihnachten. Kultur & Geschichte. Wien 2005. S. 146 f.
Karl Zinnburg: Salzburger Volksbräuche. Salzburg 1972
Oberndorf