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Geburtstag#

Geburtstag

Antike Völker feierten den Geburtstag als Festtag des persönlichen Schutzgottes (Deus natalis). Im Gegensatz dazu verpönten die Christen die "heidnische Sitte". Der Geburtstag Jesu, Weihnachten, wurde erst im 4. Jahrhundert festgelegt. Der Heiligen gedenkt man (mit Ausnahme Johannes des Täufers und der Muttergottes) nur an ihrem Todestag. Der Beginn des ewigen Lebens galt als "wahrer Geburtstag" der Märtyrer. 

Die Ablehnung der Heiligenverehrung in der evangelischen Kirche brachte es mit sich, dass man dort eher den Geburtstag feierte, während die Katholiken den Namenstag begingen. In den 1930er- Jahren beobachtete Leopold Schmidt (1912-1981) in Wien: "Der Namenstag gilt offenbar als der wichtigere (Tag) … Man soll (zum Geburtstag) so viele Geschenke bekommen, als man Jahre alt ist. Die Geburtstagstorte mit den Kerzen in der Zahl der Jahre ist nicht sehr häufig, aber bekannt. Besonders in bürgerlichen Kreisen wird in der Kinderzeit auf die Feier der beiden Tage ziemlich viel gehalten." 

Das öffentliche Begehen runder Geburtstage setzte im 18. Jahrhundert in den Oberschichten ein. Meist beginnt dies mit dem Fünfziger, zunehmend veranstaltet man auch zu halbrunden Geburtstagen Feste. Ab dem 70. kann man mit Besuchen von Pfarrern und Politikern rechnen, viele Pfarren veranstalten monatliche Treffen für ihre Geburtstagskinder. 90- und 100-Jährige erhalten Jubiläumsgeschenke. Im Februar 2014 beschäftigte ein kurioser Rechtsstreit die Gemeinden. Die Datenschutzkommission beanstandete, dass Ehrungen von hochbetagten Menschen gegen den Datenschutz verstoßen. Anlass waren Beschwerden aus der Steiermark. Bürgermeister dürften nicht im Melderegister nachsehen, welche Bürger einen runden Geburtstag feiern. Dort dürfen nur Daten abgefragt werden, die im öffentlichen Interesse sind. Um den Brauch rechtlich einwandfrei weiterführen zu können, haben einige Bundesländer ein eigenes Ehrungsgesetz beschlossen. Die Stadt Salzburg greift auf die Daten aus der Wählerevidenz zu, die allen Parteien zur Verfügung steht.

2010 lebten in Österreich mehr als 1000 Hundertjährige oder noch ältere Menschen. Klassische Gaben bei der privaten Feier sind Blumen, Geschenkkörbe mit umkränzten Zahlen aus goldenem oder silbernem Karton und die Geburtstagstorte mit der entsprechenden Anzahl an Kerzen und einer Lebenskerze. Dieser Brauch kam um 1900 auf. Die Kerzen muß der Geehrte in einem Zug ausblasen und nur er darf die Torte anschneiden. Bei der Tafel wird auf sein Wohl angestoßen, man singt "Hoch soll er leben" oder "Happy birthday to you". 
Das Feiern von Kindergeburtstags-Parties in Restaurants, aber auch Museen und anderen Räumlichkeiten, hat sich mit eigenen Ritualen entwickelt.


Quellen: 
Beitl: Wörterbuch der deutschen Volkskunde. Stuttgart 1974. S. 262 f.
Helga Maria Wolf: Das neue BrauchBuch. Wien 2000. 155 f.
Rechtsstreit

Bild: Erster Geburtstag, Wien 1962. Foto: Alfred Wolf