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Gesellschaftsspiele#

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'Allwo die Kuh am Brett spielt'. Foto: Alfred Wolf, 2007
"Allwo die Kuh am Brett spielt". Foto: Alfred Wolf, 2007

Gesellschaftsspiele werden in Gemeinschaft an einem Tisch gespielt. Aus dem 18. Jahrhundert sind Lotto- und Quartettspiele bekannt. Dieses Lotto war kein Glücksspiel, sondern bestand aus Karten, auf deren einer Seite ein Text, auf der anderen der Teil eines Bildes gedruckt war, und einer Unterlagstafel. Auf dieser sah man zu Beginn des Spieles 32 Rätsel und Fragen, die der Spielleiter stellte. Die Antworten fand man auf der einen Seite der Karte. Wer anwortete, legte sie mit der Rückseite auf, wodurch sich ein größeres Bild ergab. Sieger war derjenige, dessen Bild zuerst komplett war. Ähnlich entstanden Puzzles, die auf Würfel geklebt waren. 

Kartenspiele für Kinder waren u.a. "Schwarzer Peter" und Quartett. Für dieses Gesellschaftsspiel mit meist 48 Karten brauchte man mindestens drei Spieler. Je vier Karten mit gleicher Überschrift, aber verschiedenen Bildern, bildeten ein Quartett. Durch Aufmerksamkeit konnte man herausfinden, welcher Mitspieler die fehlenden Karten hatte. Quartettspiele waren für viele Kinder der erste Kontakt mit der "großen, weiten Welt". Bevorzugte Themen der Spiele, die als "erzieherisch und lehrreich" angepriesen wurden, waren z.B. ferne Länder, Heimatkunde, Natur, Kunst, Musik und Literatur. 

Eines der ältesten Gesellschaftsspiele der Welt ist Backgammon. Das Brettspiel war schon in der Antike bekannt. In Wien stellt ein Hauszeichen aus dem 16. Jh. dar, wie "die Kuh am Brett spielt". Es befindet sich im 1. Bezirk, Bäckerstraßee 12, und soll die Konkurrenz zwischen Katholiken (Kuh) und Protestanten (Fuchs) symbolisieren. Als "Spiel aller Spiele" gilt das Schach, für vier (erwachsene) Teilnehmer in zwei Parteien. Bekannte Brettspiele, oft auf Vorder- und Rückseite eines Kartons gedruckt, sind "Dame", "Mühle" und "Trick-Track". Das Mühle-Spiel war schon in der Antike beliebt, das Dame-Spiel soll während der Belagerung Trojas erfunden worden sein. Abbildungen des Trick-Track-Spiels reichen ins 13. Jahrhundert zurück. Ende des 19. Jahrhunderts druckten die Verlage zahlreiche "spannende und lehrreiche" Spiele als Kombination aus Würfel- und Brettspielen. Titel waren etwa "Das Wiener Stadtbahnspiel" oder das Eisenbahnspiel, bei denen man Strecken und Sehenswürdigkeiten kennen lernte. 

Kakelorum, das angeblich auf römische Würfelspiele zurückgeht, besteht aus einer Spirale, manchmal in Form einer Figur, einem Brett, dessen Felder mit Zahlen bezeichnet sind und einem Spielstein. Kakelorum wurde von Kindern und Erwachsenen, manchmal auch als Glücksspiel auf Jahrmärkten verwendet. Man legt den Spielstein (oder eine Kugel) oben in die Spirale und dieser rollt durch deren untere Öffnung auf ein markiertes Brett. Der Gewinn hing davon ab, auf welchem Feld der Stein liegen blieb. Der Name des Glücksspiels, das als wenig Ertrag bringend galt, ging in eine Redensart ein: "Kokolores machen" (sinnlose Spielereien oder Getue machen).


Quellen:
Ausstellungskatalog Spielzeug, Spiel und Spielereien, Schallburg 1987. S. 169 f.
Lutz Röhrich: Das große Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten. Freiburg/Br. 1992. Bd. 2/S. 866 Wilhelm Kisch: Die alten Straßen und Plätze Wiens. Wien 1883

Siehe auch:
--> Trick-Track