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Glöckler#

Oberndorfer Anglöckler, Foto Herbert L., 1997 Freudlicherweise für das Austria-Forum zur Verfügung gestellt
Oberndorfer Anglöckler, Foto Herbert L., 1997 Freudlicherweise für das Austria-Forum zur Verfügung gestellt

Die biblische Mahnung zur Umkehr („... dann steht ihr draußen, klopft an die Tür und ruft...“ Lk 13, 25-30) erklärt den Heischebrauch der Glöckler (Klöckler, Klöpfler). Sie ziehen an den drei Donnerstagen vor Weihnachten von Haus zu Haus, klopfen an, wünschen Glück und werden dafür belohnt. Der älteste bekannte Beleg aus einem Augsburger Kloster geht auf das Ende des 15. Jahrhunderts zurück. Als Brauch der armen Leute bestand das Klöpfeln bis ins 20. Jahrhundert. 1880 zogen im Rauriser Tal die Anglöckler „schiach vermummt“ von Hof zu Hof. Sie kritisierten die Bewohner und wünschten ihnen dann Glück. Nüsse waren ihr Lohn. Im Gasteiner Tal klopften unkenntlich gemachte Gestalten noch 1924 mit langen Stöcken an Fenster und Türen. Das "Anklöpfeln" im Nordtiroler Unterland zählt seit 2011 zum immateriellen Kulturerbe auf der UNESCO-Liste.






Ebenseer Glöckler, Foto: Alfred Wolf
Ebenseer Glöckler, Foto: Alfred Wolf
Foto: A. Wolf
Foto: A. Wolf
Ebenseer Glöckler, Foto: Alfred Wolf
Ebenseer Glöckler, Foto: Alfred Wolf
Foto: A. Wolf
Foto: A. Wolf

Glöckler heißen im Salzkammergut auch weiß gekleidete Burschengruppen, die große, von innen beleuchtete Aufbauten, „Kappen“, auf den Köpfen tragen. Seit den sechziger Jahren des 19. Jahrhunderts in Ebensee nachweisbar, sind sie nicht nach den Glocken benannt, die sie an ihre Gürtel hängen, sondern nach dem Anklopfen bei den besuchten Häusern. Vieles spricht dafür, dass Not leidende Salinenarbeiter die Braucherfinder waren. Sie trugen in ihrem Beruf weiße Kleidung und Kopflampen. Die Glöcklerkappe besteht aus einem mit schwarzem Karton überzogenen Holzgestell. Die ausgeschnittenen Motive sind mit buntem Seidenpapier hinterklebt. Die Burschen treten am Vorabend des Dreikönigstages in Gruppen („Passen“) auf. Vor den Häusern, in die sie anschließend zur Bewirtung gebeten werden, laufen sie im Gänsemarsch Figuren wie Achter oder Kreise, was als glückbringend gedeutet wird. Der Vorläufer mit seinem Stock führt die Gruppe an. Damit schafft er Platz, gibt an, welche Figuren zu laufen sind und klopft an die Türen. 2011 wurde der Ebenseer Glöcklerlauf von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt.


Quellen:
Dietz-Rüdiger Moser: Bräuche und Feste durch das ganze Jahr. Freiburg/Br. 2002. S. 53 f.
Helga Maria Wolf: Weihnachten. Kultur & Geschichte. Wien 2005. S. 103 f.
Glöcklerlaufen
UNESCO

Siehe auch:
-->Glöcklerlauf im Salzkammergut am Vorabend zu Dreikönig (AEIOU Video-Album)