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Goldhaube#

10 Schilling Münze mit Goldhaubendarstelllung
10 Schilling Münze mit Goldhaubendarstelllung

Vorläufer von Kopfbedeckungen aus Goldgewebe wurden in Gräbern aus dem Mittelalter (Villach-Judendorf, 13. Jahrhundert) gefunden. Heute denkt man dabei vor allem an die oberösterreichische Festtracht. Die Linzer Goldhaube wird erstmals 1782 erwähnt. Vorläufer war die Böndelhaube. Die Seitenteile der Böndelhaube wurden mehr und mehr nach hinten gezogen und der Boden (Böndel) wurde zu einem Knauf, der charakteristisch für die Linzer Goldhaube ist, die in dieser Form heute in ganz Oberösterreich und angrenzenden Regionen verbreitet ist. Die Form der Haube wird durch ein Drahtgestell vorgegeben. Die Herstellung einer Goldhaube ist teuer und arbeitsaufwändig, es braucht bis 300 Arbeitsstunden Auf einem ca. 16x116cm langen Goldstoffband werden vergoldete Kupferplättchen, Flitter, Folien, Boillonen und Goldperlen gestickt. Das Muster obliegt der Stickerin. 1985 stellte die Trachtenexpertin Gexi Tostmann fest: "Ein wahres Goldhaubenfieber hat die Oberösterreicherinnen erfasst. Sie sticken wunderschöne Goldhauben, nähen herrliche Bürgerkleider und nützen jede Gelegenheit, ihre Schätze zu zeigen." Derzeit (2016) gibt es in Oberösterreich rund 15.100 aktive TrägerInnen. Sie sind in Goldhaubengemeinschaften organisiert, die sich in 433 Ortsgruppen und 17 Bezirksgruppen gliedern und über Kontakte zu Trachtenvereinen, Hutgruppen, Blasmusikkapellen und anderen Vereinen verfügen. Goldhaubengemeinschaften verstehen sich nicht nur als Brauchtumsträgerinnen, sondern auch als karitative Gruppen. Ihre Aktiitäten sind stark geprägt von den kirchlichen Festen, wie Fronleichnamsprozession, Erntedankfest, Jubelhochzeiten oder Kräuterweihe (15. August). Herstellung und Verwendung der Linzer Goldhaube wurden 2016 in der Kategorie "Gesellschaftliche Praktiken, Rituale und Feste, Traditionelle Handwerkstechniken" in die UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen.

In Wien trugen zur Barockzeit nicht nur Bürgerinnen, sondern auch Stubenmädchen und die Kellerinnen der berühmt-berüchtigten Gaststätten am Spittelberg Goldhauben. In Niederösterreich gab es "reiche Goldhauben" (Bodenhauben aus Metallfäden mit Stickerei und herabhängenden Schnüren) seit der Mitte des 18. Jahrhunderts in den Orten entlang der Straße, die von Graz nach Brünn führte. Die Wachauer Haube war hingegen aus Brokat genäht, der wie Gold wirkte. Die über einem Drahtgestell gearbeiteten Kopfbedeckungen entsprachen der Empire-Mode. 

In Oberösterreich treten die "Goldhaubenfrauen" bei festlichen Anlässen auf. In Niederösterreich führt die Wallfahrt der Goldhauben- und Trachtengruppen am Maria Himmelfahrtstag ins Mostviertel. Diese wurde erstmals 1957 auf Initiative der Erlauftaler Eisenwurzen- und der Goldhaubengruppe Purgstall durchgeführt und hat seither überregionale Bedeutung erlangt.

1957 bis 1973 zierte die Darstellung einer Goldhaube die silberne 10-Schilling-Münze Österreichs.


Quellen: 
Franz C. Lipp, Elisabeth Längle, Gexi Tostmann, Franz Hubmann (Hg.): Tracht in Österreich. Wien 1984. S. 169 f.
Gexi Tostmann: Das Dirndl. Wien 1985. S. 35
UNESCO