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Gründonnerstag#

Gruendonnerstag

Der Donnerstag in der Karwoche (Hoher Donnerstag) beendet die 40-tägige Fastenzeit. Die Bezeichnung kommt wohl nicht von den grünen Speisen, die an diesem Tag genossen werden, sondern vom Weinen (greinen, mhd. grinen - den Mund verziehen).

Die Evangelisten Matthäus (Mt 26, 14-56), Markus (Mk14,10-42) und Lukas (Lk 22,3-65) überliefern die Geschnisse des Gründonnerstags. Jesus feierte mit seinen Jüngern ein letztes festliches Abendmahl, wusch den Aposteln die Füße, wurde von Judas verraten und von Petrus verleugnet. Beim nächtlichen Gebet auf dem Ölberg erfolgte seine Gefangennahme. 

Mit der Abendmesse am Gründonnerstag beginnt das Triduum Sacrum. Nach dem Gloria schweigen Orgel und Glocken bis Ostern. Am Ende des Gottesdienstes wird der Altar abgedeckt (Denudatio altaris) und das Allerheiligste in eine Kapelle übertragen, wo sich die Gläubigen zur Anbetung einfinden.

In Rahmen der Abendmahlsmesse kann die Zeremonie der Fußwaschung gehalten werden. Ein Codex aus dem Jahr 1580 beschrieb die Zeremonien der Fußwaschung am Gründonnerstag im Stephansdom. Vor dem Hochamt, das der Fürsterzbischof zelebrierte, fand eine theophorische Prozession um den Friedhof und in der Kirche statt. Hochaltar und Chorgestühl waren mit 300 Kerzen in Messingleuchtern illuminiert. Beim Hochamt fand die Weihe der heiligen Öle statt und alle Domherren und Magistratsangehörigen kommunizierten. Die Fußwaschung begann um 12 Uhr bei einem eigens dazu aufgerichteten Schranken in der Mitte des Domes. Der Fürsterzbischof legte eine Schürze an und wusch den Domherren die Füße. Auf dem Schranken standen für jeden von ihnen ein gedrechselter Becher mit spanischem Wein und zwei Oblaten bereit. Die Herren des Stadtmagistrats und die Damen erhielten die gleiche Spende.

Seit der Zeit Kaiser Karl V. (1500-1558) pflegten die Habsburger den Brauch bis zum Ende der Monarchie - wie auch andere Herrscher in Spanien, Frankreich und Bayern. Im Hofbrauch wusch der Kaiser zwölf Greisen die Füße, die Kaiserin zwölf Greisinnen. Ein Prälat und ein Priester assistierten ihnen. Beamte hatten unbescholtene, gesunde alte Leute ausgewählt und - dann gedruckte - Listen mit Namen Herkunft und Alter erstellt. Die Addition des Alters ergab oft 800 bis 900 Jahre. Die Geehrten besuchten den Gottesdienst in der schwarzen Sonntagskleidung, die sie erhalten hatten. Zur Erinnerung bekamen sie einen weißen Lederbeutel mit 30 Silbermünzen, ein viergängiges Menü in einem mit dem kaiserlichen Doppeladler bemalten Holzschaff sowie Weinkrüge aus grünem Steingut (mit Doppeladler und Jahreszahl), Zinnbecher und Damasthandtücher. Eine Hofkutsche brachte sie nach der Zeremonie heim.

Ratschen ersetzen die Glocken. Man sagt, dass die Glocken nach Rom fliegen, um sich vom Papst segnen zu lassen oder um die Ostereier zu holen, die sie bei der Rückkehr abwerfen. Ratschen sind Lärmgeräte verschiedener Bauart, mit denen Kinder, früher nur Ministranten, in Gruppen durch die Orte gehen. Sie erinnern am Karfreitag mit einem Spruch an die Zeiten des Angelus: "Wir ratschen, wir ratschen den Englischen Gruß, den jeder katholische Christ beten muss. Fallt's nieder, fallt's nieder, fallt's auf die Knie, bet's ein Vaterunser und drei Ave Marie". Am Karsamstag werden alle Häuser abgeklappert und als Lohn Eier, Süßigkeiten und Geld in Empfang genommen. 

In vielen Familien ist es üblich, etwas Grünes zu essen, wie Kräutersuppe oder Spinat. Das inspirierte die Werber einer großen Tiefkühlfirma - nicht nur in der Karwoche - zum Slogan "Donnerstag ist Spinattag".


Quellen:
Karl-Heinrich Bieritz: Das Kirchenjahr. München 1994. S. 90f.
Matthias Lexer: Mittelhochdeutsches Taschenwörterbuch. Leipzig 1885  S. 85
Schott-Messbuch für die Sonn- und Festtage. Freiburg/Br. 1983
Johann Ev. Schlager: Wiener Skizzen aus dem Mittelalter. 3 Bde. Wien 1836-1846. 1836/14;
Leopold Schmidt: Volkskunde von Niederösterreich, Horn 1966-1972. II/201 f

Bild: Krug von der Fußwaschung durch Kaiser Franz Josef. Wien 1908. Foto: Alfred Wolf


Siehe auch:
--> Fußwaschung