Granat#

Granatäpfel. Foto: Doris Wolf
Granatäpfel. Foto: Doris Wolf

Der Name Granat kommt vom lateinischen Granum (Korn). Schon in der Antike wurde der Halbedelstein als Schmuckstein genutzt, im Mittelalter war er, wie der Rubin, als Karfunkelstein bekannt. Die Farbskala reicht von Rot, Braun bis Schwarz und Grün. Besonders populär war Granatschmuck im 19. Jahrhundert, als böhmische Pyrope bis nach Amerika verschifft wurden. 

Der Granat zählte zu den mittelalterlichen fünf medizinischen Steinen, die als innerliche Arznei verabreicht wurden. Nach dem Prinzip des "similia similibus" sollte das rote Silicat-Mineral das Herz stärken und gegen "rote Ruhr" helfen. Als Amulett vertrieb der Monatsstein des Jänners die Traurigkeit, machte fröhlich und mutig, stark vor Gericht, sicher auf Reisen, ließ den Besitzer sympathisch erscheinen und bewirkte, dass alles nach seinem Wunsch gelang. Man sagte dem Granat nach, dass er mit seinem Träger in persönlicher Beziehung stand: trübte sich der Stein, warnte er ihn vor Unglück. Im Wiener Dialekt bezeichnete mit "Granat" hingegen einen Falschspieler (Analogie zum Halbedelstein gegenüber dem Rubin). 

Die Bezeichnung des Granatapfels (Punica granatum) leitet sich vom selben Wort (Granum) her, andererseits heißt es, dessen rote Farbe habe dem Schmuckstein den Namen gegeben. Der aus West- bis Mittelasien stammende Baum ist heute auch im Mittelmeerraum heimisch. Er wird 5 m hoch und einige Jahrhunderte alt. Im Frühjahr und Sommer trägt er an den Zweigenden große, gelb-orange, glockenförmige Blüten. Die grüne, später orangerote Frucht reift im November/Dezember. Sie hat einen Durchmesser von 10 cm und ist von vielen Wänden durchzogen. Dadurch entstehen Kammern, in denen sich zahllose kantige Samen befinden, die von einem glasigen, roten Samenmantel umgeben sind. Granatäpfel zeichnen sich durch einen hohen Gehalt bioaktiver Inhaltsstoffe aus. Sie sind reich an Kalium und enthalten unter anderem Vitamin C, Kalzium und Eisen. In den letzten Jahren ist das wissenschaftliche Interesse am Granatapfel  gestiegen, da seine Inhaltsstoffe spezifisch auf verschiedene Zellen und Organe wirken. So können bestimmte Zellen gebremst oder eliminiert, andere repariert und vor negativen Einflüssen geschützt werden. 

Schale und Saft des Granatapfels sind seit Jahrhunderten Farbstoffe für Orientteppiche (schwarze und gelbe Wolle). Durch das Kochen der Frucht erhält man schwarze Tinte. Aus dem Wurzelextrakt können mit Hilfe einer Eisenbeize tiefblaue Farbtöne erzeugt werden.

In vielen Kulturen ist der Granatapfel ein Symbol für Leben und Fruchtbarkeit, aber auch für Macht (Reichsapfel), Blut und Tod. Im Alten Testament kommt er mehrfach vor (Ex 28,33 f, 1 Kön 7,18; 1 Sam 14,2; Hld 4,3 bzw. 6,7; Joel 12; Haggai 2,19. In der christlichen Symbolsprache steht er für die Kirche (Ecclesia) als Gemeinschaft der Gläubigen und den Priesterstand, der in einer harten Schale (Askese) reiche Frucht trägt. Auf mittelalterlichen Tafelgemälden spielt das Jesuskind mit dem Obst, das ihm seine Mutter reicht. 

Der Granatapfel ist u.a.Teil des spanischen Wappens. Möglicherweise heißt die Stadt Granada nach der Frucht, die in ihrer Umgebung gedeiht. Der Granatapfel ist das Zeichen des - im 16. Jh. von Johannes von Gott in Granada gegündeten - Ordens der Barmherzigen Brüder, die Monatszeitschrift in Österreich trägt diesen Titel. 

Der Granatapfel gab der Granate den Namen. Die ersten, im Mittelalter verwendeten Handgranaten hatten eine ähnliche Form. Der hohle Metallkörper wurde mit Schwarzpulver gefüllt und mit einer Lunte gezündet.


Quellen: 
Beitl: Wörterbuch der deutschen Volkskunde. Stuttgart 1974. S. 302
Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens. Berlin 1927/1987. Bd. 3/Sp.1112 f.
Wikipedia: Granat
Wikipedia: Granatapfel
Barmherzige Brüder