Hand#

Hand

"Die Hand ist das wichtigste Arbeits- und Greifinstrument des Menschen, das urprünglichste und umfassendste Werkzeug, das er besitzt. Sie greift, nimmt, gibt, streichelt oder schlägt. Sie deutet an, befiehlt oder drückt Empfindungen aus … Aus ihr lassen sich Tun und Handeln, aber auch Absicht und Vollzug ablesen. So gilt die Hand von jeher auch als Symbol der Gewalt (Macht), des Besitzes und des Schutzes. So steht sie oft für den ganzen Menschen, ja für Gott selbst." (Lutz Röhrich)

Handzeichen symbolisieren Aussagen in Alltag (z.B. Gruß, Beifall klatschen, Hände ringen als Trauergeste), Rechtsleben, (z.B. Handschlag, Schwurhand, gefaltete Hände als Zeichen von Gehorsam und Unterwerfung) Kult oder ersetzen die Worte (z.B. Gebärdensprache). Hände dienten zu heilenden (z.B. Handauflegen) und magischen Gesten (z.B. Neidfeige zur Abwehr) sowie als Maßeinheit (eine Handvoll, eine Handbreit). Wahrsagen aus der Hand (Chiromantie) ist seit dem Hellenismus bekannt. 

Die allgemeine Anschauung unterschied zwischen der rechten (schönen, goldenen) und der linken Hand. Linkshänder galten als "abnomal", das Außergewöhnliche, das im Aberglauben stets wichtig ist, führte zum häufigen Gebrauch der linken Hand. Eine "Ehe zur linken Hand" war eine unstandesgemäße. Wer ungeschickt ist, hat "zwei linke Hände". Hingegen ist der Platz zur Rechten der Ehrenplatz, so heißt es im Credo über Jesus Christus: "Er sitzt zur Rechten Gottes, des Vaters." Die Redensart "Jemandes rechte Hand sein" bezeichnet einen tätigen Helfer. Hände (und Füße) standen stellvertretend für den ganzen Körper. Die rechte Hand und der linke Fuß charakterisierten den kriegstüchtigen Mann. Im Mittelalter war das Abschlagen dieser beiden Gliedmaßen - wie es literarisch der Zwergenkönig Laurin fordert - eine besonders schwere Strafe. Wenn etwas "Hand und Fuß" hat, ist es in Ordnung. Händewaschen war nicht nur ein Gebot der Hygiene, sondern auch eine kultische Handlung und ein Rechtszeichen. Nach der Verurteilung Jesu "wusch sich Pilatus vor allen Leuten die Hände und sagte: Ich bin unschuldig am Blut dieses Menschen." (Mt 27,24). 

Der Handkuss als Zeichen der Ehrerbietung von Kavalieren gegenüber Damen geht auf das Spanische Hofzeremoniell zurück. Ursprünglich handelte es sich um eine Geste der Devotion gegenüber Herrschern, Päpsten und Heiligen. Griechen und Römer pflegten Götterstatuen die Hand zu küssen, wenn sie zu arm waren, um Opfer zu bringen. Auch Votivhände waren bereits in der Antike bekannt. Sie hatten zumeist die Form der Schwurhand, was von der Forschung als Segen bringend gedeutet wurde. Andererseits sind Nachbildungen oder Darstellungen der Hand ein altes Abwehr- und Verbotszeichen. Im Orient malt man rote Hände an Hausmauern und trägt Metallamulette (Fatimas Hand) gegen den "bösen Blick". In Südtirol signalisierten Bretter in Hand(schuh)form als temporäre Zeichen während der Lese das Verbot, die Weinberge zu betreten. Am Wiener Kahlenberg besteht die Flurbezeichnung "Eiserne Hand", in Klosterneuburg befindet sich das Zeichen an einem Bildstock. 

Der Handschuh steht in mittelalterlichen Rechtsquellen für die Gewalt habende und schützende Hand. Die Überreichung galt als Symbol der Übertragung von Macht an einen Untergebenen. Wenn ein Ort vom Kaiser das Marktrecht erbat und dieser einwilligte, sandte er einen Handschuh, der auf dem Markt aufgehängt wurde. 

Zahlreich sind die Redensarten, in denen die Hand vorkommt. Viele beziehen sich auf Gesten des Rechtslebens, Zustimmungs- Gelöbnis- oder Schwurgebärden, wie "die Hand über jemanden halten" (schützen, Beistand leisten). "Jemandem die Hand seiner Tochter geben" markierte den Wechsel von einer Schirmherrschaft in die andere. "Hand aufs Herz!" fordert die ehrliche Meinung. Beim mittelalterlichen Eid legten Geistliche und Fürsten die rechte Hand auf Brust und Herz. "Mit warmer bzw. kalter Hand schenken" bedeutete zu Lebzeiten schenken bzw. vererben. An das Gottesurteil erinnert "für einen die Hand ins Feuer legen". "Handgeld" ist seit dem 17. Jahrhundert bezeugt als Anzahlung bei Abschluss eines Vertrages, der nicht mehr rückgängig gemacht werden konnte.


Quellen:
Beitl: Wörterbuch der deutschen Volkskunde. Stuttgart 1974. S. 321 f.
Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens. Berlin 1927/1987). Bd. 3 / Sp. 37 f., Sp. 1379 f. 
Lutz Röhrich: Das große Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten. Freiburg/Br. 1992. Bd. 2/S.639 f.

Bild: Eiserne Hand, Bildstock in Klosterneuburg (Niederösterreich). Foto: Alfred Wolf