Harfe#

Harfe

Die Harfe, eines der ältesten Musikinstrumente, ist weltweit verbreitet. Das Zupfinstrument lässt sich um 4000 v. Chr. in Ägypten und Mesopotamien nachweisen. Im Alten Testament wird es mehrfach erwähnt, allerdings bezeichnete das hebräische Wort "Kinnor" eine kleinere Leier: "So oft nun ein Geist Gottes Saul überfiel, nahm David die Harfe (andere Übersetzung: Zither) und spielte darauf. Dann fühlte sich Saul erleichtert, es ging ihm wieder gut und der böse Geist wich von ihm." (1 Sam 16,23); "Preist den Herrn mit der Zither, spielt für ihn auf der zehnsaitigen Harfe !" (Ps 33,2) "So will ich zum Altar Gottes treten, zum Gott meiner Freude. Jauchzend will ich dich auf der Harfe loben, Gott, mein Gott." (Ps 43,4) "An den Strömen von Babel, da saßen wir und weinten, wenn wir an Zion dachten. Wir hängten unsere Harfen an die Weiden in jenem Land." (Ps 137,2) Im Neuen Testament heißt es in der Apokalypse: "...alle trugen Harfen und goldene Schalen von Räucherwerk; das sind die Gebete der Heiligen und sie sangen ein neues Lied." (Offb 5,8) 

Im nördlichen Europa erscheinen die ersten Abbildungen von Harfen um 800 n. Chr. in Irland. Diese bilden mit ihren Charakteristika (geschwungener Hals, abgeschrägte Saitenanordnung) den Grundtypus und sind bis heute das - u.a. auf Münzen dargestellte - Symbol des Landes. In Mitteleuropa tritt das Instrument als einfache Schoßharfe oder Bogenharfe auf. Der schnarrende Klang deutet auf die Verwendung als Begleit- und Rhythmusinstrument hin. Viele der so genannten irischen oder keltischen Harfen sind Hakenharfen. Diese seit dem 17. Jahrhundert bekannte Art wurde von böhmischen Wandermusikanten bis in die 1950er- Jahre gespielt. 

1720 erfand ein deutscher Geigenbauer die Pedalharfe. Die im 19. Jahrhundert perfektionierte, fast 2 m hohe Doppelpedalharfe ist die bis heute gebräuchliche Konzertharfe. Sie hat meist 47 Saiten, die diatonisch gestimmt sind, sieben Pedale und umfasst sechseinhalb Oktaven. Eine besondere Art der Einfachpedalharfe ist die im späten 19. Jahrhundert auftretende „Tiroler Volksharfe“. Sie ermöglicht das für den typischen Tonartenwechsel der Alpenländischen Volksmusik erforderliche Umstimmen durch Treten der Pedale und erreicht die Tonarten Es- bis E-Dur. 

Im biedermeierlichen Wien zählten die Harfenisten zu den so genannten Volkstypen. Ihr Instrument hieß despektierlich "Lamentiergatter". Sie unterhielten in Wirtshäusern oder als Straßensänger mit derben Gesängen. Gut beleumundete "Beislsänger" erhielten behördliche Erlaubnisscheine. Spielte man ohne diese, waren Strafen wegen Vagabundage oder zwangsweiser Militärdienst die Sanktionen. Ferdinand Raimund und Johann Nestroy verewigten die Harfenisten in ihren Stücken "Die gefesselte Phantasie" (1826) bzw. "Die Papiere des Teufels" (1842). Umherziehende Harfenspieler, die auf Hochzeiten und Dorffesten auftraten, brachten die neuesten "Schmachtfetzen" und Theaterlieder u.a. ins Niederösterreichische Waldviertel. 

In Redensarten findet man die Harfe im 13. Jahrhundert bei Neidhart von Reuenthal: "In der Mühle Harfe spielen" (wegen des Lärms) als "vergebliche Mühe", mit der gleichen Bedeutung im 16. Jahrhundert bei Martin Luther "Einem Esel das Harfenspiel beibringen". Eduard Mörike besang 1858 romantisch eine "Äolsharfe", deren Saiten im Wind klingen. 

"Harfen" ganz anderer Art sind die wegen ihrer Form so genannten alpenländischen Trockengestelle für Heu und Getreide.


Quellen:
Beitl: Wörterbuch der deutschen Volkskunde. Stuttgart 1974. S. 330
Walter Deutsch - Helga Maria Wolf: Menschen und Melodien im alten Österreich. Wien 1988. S. 117 f.
Josef Koller: Das Wiener Volkssängertum in alter und neuer Zeit. Wien 1931. S. 1 f.
Lutz Röhrich: Das große Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten. Freiburg/Br. 1992. Bd. 2/S.664
Wikipedia: Harfe (Stand 10.7.2008)

Bild: Dr. Eberhard Kummer, Spezialist für alte Musik, mit einer Biedermeierharfe. Foto: Alfred Wolf, 2004