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Hauszeichen#

Foto: Alfred Wolf
Foto: Alfred Wolf

Seit der Maria-Theresianischen Zeit gibt es in Wien Hausnummern (Konskriptionsnummern). Ab 1770 bestand in jeder Vorstadt eine mit 1 beginnende, durchlaufende Nummerierung und daneben die Bezeichnung der Straße. Die Reihenfolge verschob sich durch die Bautätigkeit, so dass mehrfach Umnummerierungen nötig wurden. Nachdem die Vorstädte eingemeindet und zu den Bezirken 2 - 9 zusammengefasst worden waren, änderte man 1862/63 das System in das bestehende: Straßenweise Nummerierung der Häuser, die von der Inneren Stadt bzw. dem Bezirk mit niedrigerer Zahl ausgehend, links die ungeraden, rechts die geraden Nummern vorsieht. Nach dem Plan des Metallgießers Michael Winkler, der das System ausarbeitete und die Tafeln anfertigte, waren die Straßentafeln in Längsgassen rechteckig, in Quergassen oval, mit einem Rand in bezirksweise unterschiedlichen Farben. 

Zuvor halfen bei der Orientierung Hauszeichen, die mit dem Namen der Besitzer in Schematismen veröffentlicht wurden. Die Benennung nach Berufen, Tieren, Pflanzen, historischen oder kriegerischen Ereignissen, Sagen oder Fabeln wirkt phantasievoll. Da in jeder der 34 Wiener Vorstädte eine Bezeichnung nur einmal vorkommen durfte, unterschied man diese nach Farben. So gab es weiße, rote und goldene Löwen, im späteren 9. Bezirk ein blaues und ein goldenes Einhorn.

Um die Bezeichnung zu veranschaulichen, stellte man sie nicht nur schriftlich, sondern auch auf gemalten Schildern oder in plastischer, oft künstlerischer Ausführung dar. Nach der Einführung des neuen Orientierungssystems in der Gründerzeit blieb häufig nur die dekorative Funktion, wie man auch beispielsweise Heiligenstatuen zur Zierde der Fassade anbrachte.


Quellen:
Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien. Wien 1992-1997. Bd. 3/S. 89, Bd. 5/S. 368.
Alfred Wolf: Sagen, Haus- und Geschäftszeichen vom Alsergrund. Wien 1969.