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Die Heiligenverehrung begann mit dem Kult der Märtyrer der Christenverfolgungen. An ihren Gräbern wurde, im Osten seit dem 2., im Westen seit dem 3. Jahrhundert, Eucharistie gefeiert. Die Gläubigen verehrten ihre Reliquien. Vom 6. bis zum 10. Jahrhundert bestätigten die Bischöfe einen bestehenden Kult durch die feierliche Erhebung (Elevatio) oder Überführung (Translatio) der Gebeine. 

Die erste beglaubigte Heiligsprechung durch einen Papst wurde am 11. Juni 993 Ulrich von Augsburg zuteil. Ein Verfahren für Heiligsprechungsprozesse besteht seit 1588. 1634 bestimmte Urban VIII. das alleinige Recht des Papstes (und nicht wie bisher üblich, der Bischöfe), einer verstorbenen Person den Titel Heiliger (Sanctus) oder Seliger (Beatus) zu verleihen. Heilige dürfen in der ganzen katholischen Kirche, Selige nur regional verehrt werden. Erste Voraussetzung für die Kanonisation ist die "weit verbreitete Verehrung durch das gläubige Volk". In einer ausführlichen Biografie (Positio) ist der heiligmäßige Lebenswandel des Kandidaten zu beweisen. Bei „Dienern Gottes“ die keine Märtyrer sind, müssen Wunder - medizinisch nicht erklärbare, dauerhafte Heilungen auf Fürsprache der betreffenden Person - nachgewiesen werden. Ein Prozess kann sehr lange dauern. Nach der Kanonisation, für die sich seit dem 10. Jahrhundert eine eigene Papstliturgie herausgebildet hat, wird der Gedenktag im liturgischen Kalender festgelegt. Meist ist es der Todestag oder Tag einer Reliquienübertragung. Kirchen und Kapellen dürfen offiziell nach dem Verstorbenen benannt werden. Seligen gebührt die Darstellung mit „Strahlen um das Haupt“, Heiligen ein Heiligenschein (Nimbus). 

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Die Heiligenfeste sind in Martyrologien, Kalendern für den kirchlichen Gebrauch, verzeichnet. 354 erschienen die Depositio martyrum und die Depositio episcoporum eines römischen Geschichtsschreibers. Die erste römische Liste nannte 23 Namen. In der 1. Hälfte des 5. Jahrhunderts war der Märtyrerkalender schon sehr ausführlich. Auch in anderen Städten entstanden Heiligenverzeichnisse, die im Lauf der Zeit kombiniert wurden. Bekannt ist das Martyrologium Hieronymianum (431-450). Es enthält, ab 25. Dezember nach Kalendertagen geordnet, Namen, Grabstätten, Kultorte, Notizen über Reliquientranslationen, Bischofs- und Kirchenweihen. Spätere Autoren reicherten die Verzeichnisse durch legendarische Nachrichten an. Das erste dieser Art verfasste der englische Benediktinermönch und Geschichtsschreiber Beda Venerabilis (673-735). Solche „historischen Martyrologien“ erfreuten sich im 8. und 9. Jahrhundert großer Beliebtheit und wurden ständig von bedeutenden Theologen ergänzt. Rom feierte im 9. Jahrhundert rund hundert Heilige, im 11. Jahrhundert 220, nach Streichungen im 12. Jahrhundert 190. Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil erfolgte eine Reform des Römischen (Liturgischen) Kalenders. Die Ritenkongregation veröffentliche ihn am 14. Februar 1969. Seither sind die Daten einiger Heiligenfeste verändert (Siehe nebenstehende Tabelle, zum Vergrößern anklicken).

Groß ist die Zahl der neuen Heiligen und Seligen. Papst Johannes Paul II. (1920-2005) hat mehr als doppelt so viele Personen heilig gesprochen wie seine Vorgänger in den letzten 400 Jahren. In seiner Amtszeit (seit 1978) nahm er 1338 Selig- und 482 Heiligsprechungen vor. Darunter befinden sich einige Österreicher/innen: Karl I., der 18. Kaiser von Österreich, Gräfin Ursula Ledochowska und ihre Schwester Maria Theresia, Helene Kafka, die als Schwester Restituta im Mödlinger Krankenhaus arbeitete, der Geraser Ordensmann Franz Alexander Kern, der Kalasantiner-Pater Anton Maria Schwartz und der Redemptorist Baptist Stöger. Zur Heiligsprechung der Päpste Johannes XXIII. und Johannes Paul II. am 27. April 2014 sowie zu den vorangehenden Ostertagen erwartete die Stadt Rom sieben Millionen Gäste aus aller Welt.

Zahlreich sind Darstellungen der Heiligen durch bekannte Künstler und in der Populärkunst. Zur Charakterisierung der Einzelnen dienen Attribute, Beigaben, die sich auf den - meist legendären - Lebenslauf beziehen. 

Die katholische Lehre unterscheidet die Verehrung der Heiligen als Fürbitter von der Anbetung, die nur Gott gebührt. Die Reformation schaffte die Heiligenverehrung ab, obwohl Luther vorschlug, in der Sonntagspredigt die Heiligen der Woche zu erwähnen. Die Gegenreformation förderte die Heiligenverehrung. Später sprach die katholische Kirche von "Mißbrauch" und "Aberglauben", wenn ihr die volksfromme Verehrung unangemessen erschien. "Als Schutzpatrone … waren und sind die Heiligen für das Siedlungswesen, für die Volkskunst, für Glaube und Brauch, Sprache und Volksschauspiel wichtig", heißt es im Wörterbuch der deutschen Volkskunde. Besondere Hilfe erhoffte man sich vom Heiligenkollektiv der 14 Nothelfer .


Quellen:
Beitl: Wörterbuch der deutschen Volkskunde. Stuttgart 1974. S 340 f.
Hl. NÖ
Wikipedia: Johannes Paul II.
Heute, 22.4.2011
2014


Siehe auch:
--> Österreichische Heilige