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Heimatkunde#

"Heimatkunde" bezeichnete die primär nahräumlich-geographisch geprägten Bildungsinhalte der Volksschule, die man seit den 1970er Jahren von Sachunterricht nennt. "Heimatkunde" meint aber auch Bücher, die sich mit diesen Inhalten befassen.

Wanderungen und Spazierfahrten von F. A. Gaheis, 1805. Foto: Helga Maria Wolf
Wanderungen und Spazierfahrten von F. A. Gaheis, 1805. Foto: Helga Maria Wolf

In Österreich gilt der Kulturhistoriker und Schulreformator Franz Anton Gaheis (1763-1809) als Vater der Heimatpädagogik. Er schrieb u.a. sieben Bände "Wanderungen und Spazierfahrten in die Gegenden um Wien" (1805). Es war die Zeit der Romantik, ebenso wie der Aufklärung, als man begann, sich für die eigene Kultur zu interessieren. In diese Zeit fallen die Märchensammlungen der Brüder Grimm ebenso wie die Anfänge der wissenschaftlichen Volkskunde oder die Gründung von Landesmuseen, z.B. 1811 Joanneum Graz, 1823 Ferdinandeum Innsbruck, 1833 Franzisco-Carolinum Linz. Als Universalmuseen zeigen sie, den Intentionen der früheren Sammler gemäß, Geschichte, Natur, Kunst, Technik, Volkskunde ... aus der Region.





Heimatbücher

Ottakringer Heimatbuch, 1935. Foto: Helga Maria Wolf
Ottakringer Heimatbuch, 1935. Foto: Helga Maria Wolf

Eine zweite große Welle erlebte die Heimatkunde durch das Engagement von Lehrer-Arbeitsgemeinschaften in den 1920er und 1930er Jahren. Ihre Bücher befassen sich ebenso mit der Tier- und Pflanzenwelt, wie mit dem geistigen Leben, Geschichte und Kunst. Damals entstanden auch die ersten Wiener Heimatmuseen (seit 1971 Bezirksmuseen): 1923 Meidling, 1934 Favoriten, Simmering und Hernals, 1935 Ottakring und Floridsdorf, 1937 Landstraße und Währing, 1938 Josefstadt. Jedes Museum wurde von einem privaten Verein getragen. Seit 1964 besteht die "ARGE der Wiener Heimat- bzw. Bezirksmuseen" als Dachverband, der auch einige Sondermuseen umfasst. Der Eintritt in diese rund 30 Museen ist frei, die Mitarbeit erfolgt nach wie vor ehrenamtlich.

Die alte Literatur zur Bezirksgeschichte ist bis heute aufschlussreich, wenngleich manches überholt erscheint. Zu einer neuen Welle kam es etwa in den 1980er Jahren. Damals erschienen die "Wiener Bezirkskulturführer" des Vereins für Geschichte der Stadt Wien im Verlag für Jugend und Volk, die Bezirkskunden des Mohl-Verlags und von einzelnen Museumsleitern ambitioniert herausgegebene Werke.