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Heimatmuseum#

Heimatmuseum

Der Schweizer Pädagoge und Sozialreformer Johann Heinrich Pestalozzi (1746-1827) forderte bereits einen erlebnisorientierten Heimatkunde-Unterricht. Ähnliche Ideale verfolgte um 1900 die Heimatschutzbewegung, als technische und gesellschaftliche Umwälzungen das traditionelle Natur- und Kulturbild veränderten. Landschaft, Denkmale und geistige Volkskultur sollten bewahrt und gepflegt werden. Diesem Gedanken entsprangen Trachtenerneuerung, Volkskundeatlanten, Baufibeln und eine Reihe von Heimatmuseen. 

1929 erschien das Buch "Österreichische Heimatmuseen" von Dr. Karl Lang. Es stellt in, teilweise kommentierenden, Texten und vielen Bildern die damals bestehenden 100 Heimatmuseen vor. Außerdem fordert der Autor, der sich für eine Kulturkunde ausspricht, den Aufbau "eines modernen Lehrmuseums" und gibt konkrete Hinweise dazu. Er ermutigt vor allem Lehrer, in möglichst vielen Orten Heimatmuseen einzurichten. In Wien wurden sie 1971 auf "Bezirksmuseen" umbenannt. Ihre Dachorganisation ist die ARGE der Wiener Bezirksmuseen, zu der auch einige Sondermuseen zählen. Alle werden ehrenamtlich betreut.

2011 listet die Homepage der Volkskultur Niederösterreich allein in diesem Bundesland 700 öffentlich zugängliche Museen und Sammlungen auf, viele sind Lokal- oder Regionalmuseen. Es gibt umfangreiche Serviceangebote des Museumsmanagements und ein österreichisches Museumsgütesiegel. Allerdings besteht noch immer das Vorurteil, dass zur Grundausstattung eines Heimatmuseums "Feuerwehrhelm, Auerochsenhorn und Spinnrad" gehöre, die Sammlungen unsystematisch, verstaubt und wissenschaftlich nicht auf dem letzten Stand seien.


Quellen:
Karl Lang: Österreichische Heimatmuseen. Wien 1929.
Wiener Bezirksmuseen

Bild: Umschlag des Buches von Karl Lang: Österreichische Heimatmuseen