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Hetztheater#

Die Wienerische Redensart, etwas sei "eine Hetz" hat einen blutigen Hintergrund. Im 17. und 18. Jahrhundert gab es an vier Orten Theater zur Abhaltung von Tierhetzen. Das älteste befand sich in der Leopoldstadt, wo zuerst einem Fleischhauer, dann zwei holländischen Handelsleuten die Abhaltung von Tierkämpfen gestattet war. 1720 wurde einem Josefstädter Wirt eine Veranstaltung mit Ochsen und Hunden bewilligt. 1735-1743 bestand am Heumarkt ein vom Hofarchitekten Antonio Galli-Bibiena und Hofingenieur Antonio Corradini errichtetes Hetztheater, das ein Händler finanzierte. Das Unternehmen war hoch besteuert, die Abgaben für Zuchthausfonds und Armenkasse zweckgebunden. Erst Kaiser Franz II. (1768-1835) verbot die grausame "Hetz".

Von 1755 bis zu seinem Brand 1786 gab es in der danach benannten Hetzgasse in der Weißgerbervorstadt (Wien 3) das k.k. privilegierte Hetzamphitheater. Es handelte sich um eine dachlose Arena, in deren Erdgeschoss die Tiere untergebracht waren. Drei aus Holz konstruierte Logenränge fassten 3.000 Zuschauer. Auf die im Mittelpunkt befindliche Stange konnte sich der Hetzmeister retten, wenn der Kampf für ihn gefährlich wurde. Er und Hunde hetzten Auerochsen, Bären, Hirsche, Luchse, Löwen, Stiere, Wildschweine und Wölfe. Nach zunächst privaten Betreibern erwarb der Staat die Anstalt, die hohe Einnahmen (für die Armenkasse) erzielte und verpachtete sie u.a. an einen Wundarzt. Die Vorstellungen, die an Sonn- und Feiertagen in der warmen Jahreszeit stattfanden, waren stets ausverkauft.
Quelle: Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien. Wien 1992-1997. Bd. 3 / S. 175