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Holunder#

Foto: Alfred Wolf
Foto: Alfred Wolf

Der Schwarze Holunder (Sambucus nigra) oder Holler zählt zu den häufigsten Gehölzen Mitteleuropas. Der stark verzweigte Strauch oder Baum wird bis zu 11 Meter hoch und 20 Jahre alt. Zwischen Mai und Juli erscheinen am jungen Holz bis zu 30 cm große, flache Schirmrispen aus vielen Einzelblüten mit typischem Duft. Ab August reifen die anfangs roten, später schwarzen, sechs Millimeter großen Beeren. Sie sind reich an Vitamin C, B, Kalium, ätherischen Ölen und dem violetten Farbstoff Sambucyanin, mit dem man Wein, Leder und die Haare färbte. Die Beeren sind erst nach dem Abkochen oder Vergären essbar. 

Seit Mitte der 1980er- Jahre wird Holunder vor allem in der Oststeiermark kultiviert. Er findet Verwendung in der Kräuterheilkunde ebenso wie in der Küche. Getrocknete Blüten werden als „Flores sambuci“ in Apotheken angeboten. Tee aus Blüten, Rinde, Beeren und der daraus gewonnene Saft sind probate Hausmittel gegen Erkältung, Magenbeschwerden, Nieren- und Blasenleiden. Die Blütenstände werden als "Hollerküchel" in Fett ausgebacken. Neuer Beliebtheit erfreuen sich Holundersirup und -sekt. Die gekochten Beeren lassen sich zu Suppe, Gelee oder Saft verarbeiten. 

Als Strauch, der ohne besondere Pflege wächst, Lebens- und Heilmittel abgibt, war der Holunder so geschätzt, dass man sagte, man müsse vor ihm den Hut abnehmen. Umhauen sollte Unglück nach sich ziehen und Verdorren den Tod anzeigen. Er galt als Schutzbaum des Hauses, wurde auch auf Friedhöfen gepflanzt und als landwirtschaftliches Orakel sowie in der populären Heilkultur (zum Übertragen von Krankheiten) verwendet. 

Eine besondere Beziehung besteht zum Stift Klosterneuburg(Niederösterreich). Nach der Schleierlegende ließ der Babenberger-Markgraf Leopold III. (um 1075-1136) anno 1114 den Grundstein zur Stiftskirche an jener Stelle legen, wo sich der Schleier seiner Frau in einem Holunderbusch verfangen hatte. Rueland Frueauf d.J., ein Hauptmeister der Passauer Malerei um 1500, stellte diese als Tafelmalerei dar, die sich im Stiftsmuseum befindet. Ein weiterer Schatz der Sammlung, die barocke Schleiermonstranz (1711-1714), gehört zu den "Landesreliquien" Niederösterreichs. Die Monstranz ist der Holunderbaum, dessen Stamm den Hostienbehälter umschließt. Das Kunstwerk besteht aus Silber, ist großteils vergoldet und enthält Diamanten, Smaragd und andere Edelsteine. Kleine Perlen bilden die Blütendolden des Holunders.


Quellen#

Beitl: Wörterbuch der deutschen Volkskunde. Stuttgart 1974. S. 380
Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens. Berlin 1932/1987. Bd. 4/Sp. 261 f.
Schleiermonstranz
Wikipedia: Schwarzer Holunder (Stand 16.7.2008)

Weiterführendes#