Huhn#

Foto: Alfred Wolf
Foto: Alfred Wolf

Das Haushuhn (Gallus gallus domesticus) ist die Zuchtform eines südostasiatischen Wildhuhns. Nach Knochenfunden begann die Domestizierung im 6. vorchristlichen Jahrtausend in China. Die ersten Funde in Mitteleuropa stammen aus der frühen Eisenzeit (Hallstattkultur) in Deutschland und Spanien. Im antiken Griechenland hielt man Hähne vermutlich vorrangig für Kämpfe. Erst die Römer sorgten für die großräumige Verbreitung des Haushuhns als Eier- und Fleischlieferant. 

Hahn und Henne waren beliebte Orakeltiere und Wetterpropheten (vgl. Wetterhahn auf Kirchtürmen). Gingen sie früh schlafen, schloss man auf gutes Wetter. Das Krähen des Hahns galt als Morgenbeginn oder auch als Unglücksvorzeichen. Mit einer Mischung aus Erfahrung und Magie sollte das Eierlegen gefördert werden, etwa durch Erbsen als Futter zu Weihnachten und Neujahr. Um die Hühner vor dem Habicht zu schützen, schnitt man ihnen am Karfreitag die Schwänze. 

Weit verbreitet war der Brauch, Hühner und Hähne zu opfern, wozu manche Kirchen hinter dem Altar eigene Käfige hatten. Dies war auch in der Pfarrkirche Ober St. Veit (Wien 13, Wolfrathplatz) üblich, was den Aufklärer Johann David Hanner 1783 zur Satire "Der redende Hahn und die redende Henne zu St. Veit bey Wien" veranlasste: Der Hahn belehrt die junge Henne, es sei wieder an der Zeit, für den Pfarrer und den Lehrer Geld zu verdienen. Schließlich spottet diese: "Wenn ich keine Henne wäre, so müßte ich lachen!" 1790 vermerkte ein Schriftsteller, dass die Gläubigen früher ihr bestes Federvieh brachten, im Lauf der Zeit sank aber dessen Qualität. So beschloss der Pfarrherr, einige Tage vor dem Fest Geflügel zu kaufen und sich die frühere Abgabe in Form eines Opferganges ablösen zu lassen.

Entgegen früheren Meinungen ist das Huhnopfer weder "uralter Herkunft", noch hat es mit Dämonen zu tun, sondern Hühner waren seit dem Mittelalter ein Naturalzins, der dem Grundherrn gebührte. Auch Müller, Hauptleute und Handwerker hatten später Anspruch auf ein Huhn bzw. dessen Ablöse. Der Historiker Ludolf Kuchenbuch (Das Huhn und der Feudalismus) fand 22 Termine im Jahr für solche Zinsleistungen.

1992 hat Walter Wippersberg im Film "Das Fest des Huhnes" ethnologische Fehlschlüsse persifliert. Sein Film, als Produktion des ORF-Landesstudio Oberösterreich für die Sendung Kunst-Stücke gedreht, entwickelte Kultstatus. In ironischer Weise verfremdet er die Gewohnheit von Ethnologen alter Schule, Bräuche der "Eingeborenen" aus ihrem Kulturhorizont zu deuten und dabei falsche Schlüsse zu ziehen. In diesem Fall sind Forscher aus Schwarzafrika in Oberösterreich unterwegs. Sie beobachten, wie zahlreiche "Ureinwohner" in Zelten zusammenkommen, um Bier zu trinken, Hühner zu essen und anschließend kollektiv den Vogerltanz aufzuführen. Das auf sie befremdlich wirkende Verhalten wird von den Forschern als Opferritual interpretiert.


Quellen:
Gustav Gugitz: Das Jahr und seine Feste im Volksbrauch Österreichs. Wien 1949. Bd 1 / S. 316
Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens. Berlin 1932/1987. Bd. 4 / Sp. 448 f.
Helga Maria Wolf: Die Märkte Alt-Wiens. Wien 2006. S. 82 f.
Das Fest des Huhnes, Filmsatire von Walter Wippersberg, 1992
Wikipedia: Haushuhn (Stand 17.7.2008)
Das Huhn und der Feudalismus