Ikone#

Ikone

Der Begriff Ikone (gr. eikon - Bild) bezeichnet in der Ostkirche ein "heiliges Bild". In der orthodoxen Ikonentheorie braucht ein Bild viele Kennzeichen, um als Ikone zu gelten: Es muss als Kultbild verstanden werden, Dogmen und Bilderkanon entsprechen, nach bestimmten Regeln hergestellt und geweiht sein. Dazu bedarf die Ikone u.a. der Beschriftung. Mehrere Ikonen können in Altarform verbunden sein (Dyptichon, Triptichon). In den Kirchen trennt die Ikonostase mit festem Bildprogramm das Allerheiligste vom Kirchenschiff und drückt damit zentrale Dogmen der Orthodoxie aus. Ikonen werden von den Gläubigen in emotionaler Weise verehrt (geküsst, berührt, man verneigt und bekreuzigt sich vor ihnen).

Es gibt schätzungsweise 8.000 - 9.000 Bildtypen. Die wichtigsten Grundtypen sind die Dreifaltigkeit, Christus, Engel, Muttergottes, Heilige und szenische Motive. Die ältesten "heiligen Bilder" stammen aus dem 6. Jahrhundert, die meisten sind auf Holzplatten gemalte Tafelbilder. Daneben bestehen Fresken, Mosaike, gewebte, gestickte, aus Metall oder Emaille hergestellte Ikonen. Oft sind die Techniken kombiniert, Glorienscheine besonders verziert oder ein Großteil des Bildes ist (zu seinem Schutz) von kunstvollen Metallbeschlägen verdeckt. Die Portraits mit oft übergroßen Augen wirken unnahbar und bewegungslos. Der flächige Goldgrund steht für die raum- und körperlose Ewigkeit. Alle Gestaltungselemente weisen aus dem profanen Bereich heraus in die göttliche Dimension. Eine Ikone ist ein Kultbild, kein Kunstwerk.

Ikonen werden in mehreren Arbeitsschritten - meist in Eitemperatechnik - gemalt. Den Farben kommt neben der ästhetischen Qualität ein Symbolwert zu: Purpur gilt als Farbe der göttlichen oder königlichen Macht, Rot als Symbol für Leben und Blut. Blau ist die Farbe des Himmlischen, man findet sie auf Bildern von Christus, Maria und den Aposteln. Grün verkörpert Wachstum, Jugend und Auferstehung. Braun steht für das Menschliche, Schwarz für Askese und Tod, Weiß verweist auf überirdisches Licht. Neben den Farben bilden Formen das "Vokabular" der Ikonenmalerei, sie sind standardisiert, wie Gebärden, Gebets-, Fürbitt- oder Anbetungsgesten. Anders als in der westlichen Malerei wirken Ikonen unperspektivisch. Nicht die Perspektive, sondern die Bedeutung bestimmt die Größe der Darstellung. 

In Wien und Niederösterreich verehrte katholische Gnadenbilder gehen auf byzantinische Marienbildtypen zurück. Die wichtigsten sind Maria Candia (St. Michael, Wien 1) und Maria Pötsch (z.B. St. Stephan, Wien 1, Lichtental, Wien 9, Stift Heiligenkreuz, Niederösterreich). Letztere wurde auf kaiserlichen Wunsch 1697 aus der griechisch-katholischen Kirche in Pocs (Ungarn) nach Wien gebracht. Als wenige Monate später Prinz Eugen in der Schlacht bei Zenta die Türken besiegte, schrieb man dies ihrer Hilfe zu und die Ikone wurde zum Staats- und Stadtheiligtum.


Quellen:
Hans Aurenhammer: Marianische Gnadenbilder in Niederösterreich. Wien 1956.
Helmut Fischer: Die Ikone. Freiburg/Br. 1995

Bild: Gebet mit Ansicht der Ikone "Maria von der immerwährenden Hilfe" (Original: Kreta, 14. Jh.)19. Jahrhundert. Gemeinfrei