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Jüdischer Kalender#

Die jüdische Zeitrechnung beginnt mit der "Schöpfung der Welt", die alte Berechnung wird aus Traditionsgründen beibehalten. Anno 350 n. Chr. legte der Rabbiner Hillel II. den bis heute verwendeten Mondkalender fest. Der Neujahrstag fällt in den Herbst. Ein Monat, der 29 oder 30 Tage zählt, beginnt jeweils mit dem Neumond. Um die Differenz von rund 11 Tagen zum Sonnenjahr auszugleichen, werden innerhalb von 19 Jahren sieben Schaltjahre mit 13 Monaten eingefügt. Der Tag endet mit der Abenddämmerung, sobald drei Sterne sichtbar sind, fängt der nächste an. Die Tageszeiten (Abend, Morgen, Mittag) bezeichnen zugleich die Zeit der täglichen Gebete. Wochentage werden gezählt, nur der Sabbat, der heilige 7. Tag, trägt einen Namen. 

Die wichtigsten Jahresfeste im jüdischen Kalender sind: die Haupt- und Wallfahrtsfeste (Pessach im März/April, Schawuot im Mai/Juni und Sukkot im September/Oktober), die Hohen Feiertage oder "ehrfurchtsvollen Tage" (Rosch ha-Schana und Jom Kippur im September/Oktober) sowie die Halbfeiertage (Chanukka im November/Dezember und Purim im Jänner/Februar). 

Rosch ha-Schana, das Neujahrsfest, wird zwei Tage lang gefeiert, vorwiegend in der Synagoge. Es gilt als Tag der Weltschöpfung und des himmlischen Gerichts. Im Gottesdienst, bei dem zusätzliche Texte gelesen werden, bläst man das Schofar-Horn, das Horn eines Widders. Die biblische Festordnung findet sich in Lev 23, 23-25. Zu Hause gibt es keine vorgeschriebene Feier. Viele Familien bevorzugen aber Speisen, deren Namen oder Geschmack ein gutes Omen für das Neue Jahr sind. So werden Apfelstücke in Honig getaucht, oder etwas vom Kopf eines Fisches oder Hammels gegessen - ein Sinnbild, dass man am Anfang und nicht am Ende steht. 

Jom Kippur ist der Versöhnungstag, über den der Theologe Wolfgang Walter schreibt. "Der wichtigste Tag des jüdischen Jahres ist der Jom Kippur. Er wird unter Fasten mit großem Ernst begangen und ist vollständig durch die Gottesdienste bestimmt. Die Gläubigen verbringen den ganzen Tag in der Synagoge, bekennen ihre Sünden und bitten um Vergebung. Jom Kippur ist Höhepunkt und Abschluss der mit Rosch ha-Schana begonnenen zehn Tage der Umkehr. Sie ist das eigentliche Ziel des höchsten Feiertags, dieses 'Sabbats aller Sabbate.'" Die Arbeit ruht, Essen und Trinken ist untersagt, die Gemeinde versammelt sich in der Synagoge, wo die Liturgie bis zu zehn Stunden dauern kann (vgl. Lev 23,26-32). 

Sukkot, das Laubhüttenfest, ist das fröhlichste der großen Feste. Es dauert neun Tage. Die Vorbereitungen beginnen nach dem Ende von Jom Kippur. Es bezieht sich auf den göttlichen Schutz während der 40-jährigen Wüstenwanderung. Die Bücher Mose (Lev 23,34 und Dtn 16,13) beschreiben die Laubhütten. Ihr Dach muss gleichzeitig vor Regen schützen und die Sterne sehen lassen. Sie werden in den Höfen der Wohnhäuser und der Synagoge aufgebaut. Das Innere wird geschmückt und eine festliche Tafel gedeckt. Neben der Laubhütte ist der Feststrauß aus Palmen, Weiden, Myrthenzweigen und einer Zitrusfrucht ein symbolisches Zeichen, das auf das ursprüngliche Erntefest hinweist. Am 8. Tag bittet man um Regen, am 9. findet das Torafreudenfest (Simchat Tora) statt. Die Torarollen werden geschmückt und mit tanzenden Schritten durch die Synagoge getragen. Das Buch des Bundes mit Gott wird im Jahreszyklus gelesen, der mit dem Feiertag neu beginnt.


Quellen:
Theodor Much: Judentum, wie es wirklich ist. Wien 1997. S. 79-85
Wolfgang Walter: Meinen Bund habe ich mir dir geschlossen. München 1989. S. 36-87.