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Jahrmarkt#

Jahrmarkt

Jahrmärkte erfüllten internationale Funktionen. Jahrmarktsprivilegien und -termine für Wien fanden sich im Freiheitsbrief König Rudolf I. (1218-1291) vom 24. Juni 1278. Zwei Hauptjahrmärkte sollten 14 Tage ab St. Jakob (25. Juli) und je sieben Tage vor und nach Mariae Lichtmess (2. Februar) stattfinden. Rund ein Jahrhundert später, am 29. September 1382, verfügte Herzog Albrecht III. (1365-1395) längere und andere Termine. Bis ins 17. Jahrhundert bestanden nun der Jahrmarkt „Ascensionis“ je 14 Tage vor und nach Christi Himmelfahrt und der Jahrmarkt „Catharinae“ je 14 Tage vor und nach Katharina (25. November). 

Im 17. Jahrhundert erhielt Wien einen dritten Jahrmarkt, den Margarethenmarkt in der Leopoldstadt. Er fand von 13. bis 26. Juli statt und war mit allen alten Privilegien („Ehr, Würde, Schuz, Schirm, Gelaitt, Freyheit und Gerichtigkeit“) versehen. Es dauerte fast ein Jahrhundert, bis er sich aus bescheidenen Anfängen zu einem ernst zu nehmenden Wirtschaftsfaktor entwickelte. Ab 1750 fand der Jahrmarkt im Frühling als „Jubilatemarkt“ nach dem Sonntag Jubilate (4. Sonntag vor Pfingsten) statt. Der Katharinenmarkt wurde auf Ende September, acht Tage vor Sankt Michael (29. September), vorverlegt. Im nächsten Jahr gab es im Winter einen vierwöchigen Allerheiligenmarkt ab dem 1. November. 1772 bestimmte eine neue Jahrmarktsordnung: Der Jubilatemarkt dauerte von Montag nach Jubilate bis Samstag vor Pfingsten, der Allerheiligenmarkt vom 2. November bis zum Samstag vor dem 1. Adventsonntag.

In der Barockzeit war der Platz Am Hof der wichtigste Standort der beiden Stadtjahrmärkte. Mitte des 18. Jahrhunderts zählte man rund 440 Markthütten und 200 Stände. Da das Areal nicht ausreichte und sich die Anrainer beschwerten, übersiedelten einige Gewerbe auf die Freyung, den Judenplatz und in angrenzende Gassen. Spektakel sorgten für die Attraktivität der Märkte. Beliebt waren Glücksspiele wie Würfeln und Kugelspiele, besonders der „Glückshafen“. Bei dieser Tombola konnte man mit wenig Einsatz wertvolle Sachpreise gewinnen. Die Behörden standen dem Glücksspiel zwiespältig gegenüber. Einerseits fürchteten sie um die guten Sitten, andererseits kamen die dringend benötigten Abgaben dem Zuchthaus zugute. Komödianten und Marionettenspieler mussten ein Fünftel ihrer Einnahmen für diesen Zweck abliefern und die Texte der Zensur vorlegen. Schausteller zeigten wilde Tiere und exotische Menschen, Panoramen oder Wachsfiguren, erweckten Interesse mit magischen Produktionen oder als Hellseher. 

Nach fast 600 Jahren ging die Ära der privilegierten Wiener Hauptjahrmärkte zu Ende. Die wirtschaftlichen Bedingungen hatten sich geändert. 1849 verfügte das Handelsministerium größere Änderungen des Jahrmarktwesens. 14 Tage nach Ostern sollte nun der Frühjahrs- oder Ostermarkt beginnen. Der Theresien- oder Herbstmarkt wurde mit dem 15. Oktober angesetzt, beide dauerten 14 Tage. Wie seit Jahren diskutiert, standen sie nicht mehr in der Inneren Stadt, sondern auf dem Glacis vor dem Schottentor. Dort fanden die Jahrmärkte nicht oft statt, 1861 mussten sie dem ersten Parlament Österreichs Platz machen. Vom 26. September 1872 datiert der Gemeinderatsbeschluss „betreffend die Aufhebung der genannten Jahrmärkte“.

In Salzburg findet zu Pfingsten und im Herbst (Um den Tag des Landespatrons St. Rupert) die "Dult" statt. Das Wort kommt von "dulden", die erste Marktverleihungsurkunde datiert aus dem Jahr 996. Bis 1856 war die Dult eine respektable Warenschau auf dem Residenzplatz und dessen Umgebung, an der sich Händler aus dem In- und Ausland beteiligten. Vom 11. - 19. Juni 2011 verwandelt sich das Messezentrum Salzburg in einen traditionell geschmücktes Festplatz, wo man unter dem Motto "Tradition trifft Trend" Besucherinnen im Dirndl und Besucher in der Lederhose erwartet. Zu den Attraktionen zählen ein Festzug zur Eröffnung, Volksfest, Vergnügungspark, Familien- und Seniorenangebote und der "Tag der Tracht".


Quellen:  Irmtraut Hering: Die privilegierten Wiener Hauptjahrmärkte. Dissertation Wien 1965
Helga Maria Wolf: Die Märkte Alt-Wiens. Wien 2006. S. 191 f.
Karl Zinnburg:Salzburger Volksbräuche. Salzburg 1972
Dult 2011

Bild: Marktstände und Theaterhütte auf der Freyung, Wien 1, um 1760-70. Aus: Wilhelm Kisch: Die alten Straßen und Plätze Wiens. Wien 1883. S. 216