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Jugendkulturen#

--> Essay Jugendkulturen

Cosplayer, Ani Nite 2009, Foto: Doris Wolf
Cosplayer, Ani Nite 2009, Foto: Doris Wolf

"Jugendliche Szenen sind präsenter denn je in der alltäglichen Wahrnehmung, prägen Zeitgeist, Mode- oder Musikstile. Noch nie gab es so viele verschiedene Gruppen und noch nie war es so schwer den Überblick über die aktuellen Trends zu behalten," schreibt Nicola Wilbrand-Donzelli auf der Homepage.

Weiter heißt es: Den Begriff "Jugend" als Lebensabschnitt zwischen Kindheit und Erwachsenendasein gibt es erst seit circa hundert Jahren und ebenso lange existieren Jugendbewegungen. Mit den "Wandervögeln" tauchten Anfang des 20. Jahrhunderts zum ersten Mal Heranwachsende auf, die sich demonstrativ und freiheitsliebend der Natur zuwandten, Abgrenzung gegen die strikten moralischen Zwänge der älteren Generation. In den fünfziger Jahren folgten die Halbstarken der Rock 'n' Roll-Zeit und in den wilden 60er und 70er Jahren wurde das Aufbegehren politisch und die Jugend ging auf Konfrontationskurs zum Establishment, brach offensiv bürgerliche Tabus.

Die aktuelle Jugendkultur hat sich zu einem äußerst vielfältigen und populären Freizeitkosmos gewandelt, in dem der Kommerz eine große Rolle spielt, sie sind Teil unserer Konsumgesellschaft. Jugendkulturen sind freiwillige Gemeinschaften, man entscheidet informell: 'Ich gehöre dazu - also gehöre ich dazu', Jugendkulturen sind attraktiv, weil sie ihren Alltag ein wenig bunter färben, mit unangepassten Lebenskonzepten experimentieren und mit Gleichgesinnten eintauchen können in eine selbstgeschaffene soziale Heimat. Charakteristisch für Jugendkulturen ist, dass sie hauptsächlich männlich dominiert sind. Das ist beispielsweise bei den Hip-Hoppern oder auch bei den Skatern der Fall. Gemeinsam ist allen Szene-Kulturen, dass sie nur über eine bestimmte Wiedererkennbarkeit funktionieren, einen definierten "Code" haben, der eine Summe aller sprachlichen, bildlichen und mimischen Zeichen bildet und ein bestimmtes unverwechselbares Lebensgefühl transportiert. Bei der Verbreitung jugendkultureller Trends sind vor allem Szene-Medien wichtig. Die Jugendlichen lesen Fachmagazine, surfen auf zahllosen spezifischen Internetseiten und tauschen sich innerhalb der Gleichgesinnten-Community vor allem digital über Web-Blogs, Gästebücher oder private Homepages aus, führen dort ihre "Fachdiskurse", nach dem Motto "act local, but communicate global". Durch solche virtuellen Umschlagsplätze sind die Jugendkulturen einem ständigen Wandel unterworfen, differenzieren sich permanent, werden in ihre Spielarten bunter, unübersichtlicher und kurzlebiger.

Als die sieben wichtigsten nennt der Artikel:

  • Hip-Hop, die wohl größte Jugendkultur weltweit. Hier steht vor allem die Musik im Vordergrund. Sprechgesang, Breakdance, Graffiti und "DJing", das Einsetzen eines Plattenspielers als Instrument, sind typische Kennzeichen. Hip Hopper sind meist männlich, pflegen ein „Machoimage“ und kleiden sich mit teuren Markenklamotten, die extrem weit geschnitten sind und an voluminöse Jogginganzüge erinnern. Passend dazu tragen sie nicht selten schweren Kettenschmuck und charakteristische Baseball-Kappen.
  • Punk , dabei geht es vor allem um Protest und Provokation. Der Ursprung dieser Jugendbewegung liegt in Großbritannien Seine Anhänger wenden sich bewusst von der bürgerlichen Gesellschaft ab, zeigen dies demonstrativ mit schäbiger Kleidung, Schmuck-Accessoires wie Sicherheitsnadeln, Vorhängeschlössern oder Hundehalsbändern sowie wilden Frisuren und rebellischem Verhalten. Typische Aktivitäten sind Trinkgelage und das "Anschnorren" von Passanten. Punk-Musik ist gekennzeichnet durch raue, ungeschliffene, schnelle Gitarrentöne und provokante Texte.
  • Die Gothic-Kultur ging Anfang der achtziger Jahre aus der Punk-Bewegung hervor. Mit düsterem Makeup und meist schwarzer Kleidung grenzen sich die Gothics von bunten, kurzlebigen Modetrends und geltenden Schönheitsidealen ab, wirken mystisch und geheimnisvoll. Gothic-Anhänger interessieren sich häufig für das Mittelalter und geheime Kulte aus vergangenen Epochen. Orte wie Friedhöfe haben eine starke Anziehungskraft auf die "Grufties".
  • Emo war bis in die neunziger Jahre eine Bezeichnung für einen emotional betonten Punkrock: "Emotional Hardcore". Aus dem Musikstil wurden schließlich eine Mode und ein Lebensgefühl, das Gefühle wie Trauer und Verzweiflung offensiv zur Schau stellt. Die Jugendlichen kleiden sich oft schwarz, schminken sich blass und um die Augen dunkel, sind aber keine Gothics. Sie hören Punkrock, tragen Nietengürtel, sind aber keine Punks. Ihre Schuhe ähneln denen von Skateboardern und sie haben eine Affinität zur Comic-Kultur. Sie wandeln sich durch ihre Aufmachung zu androgynen Wesen. Somit ist Emo die erste Jugendkultur, in der sich die männlichen Gruppenmitglieder an die weiblichen anpassen.
  • Die Anhänger der Visual-Kei-Szene sind die rößten Konkurrenten der Emos. Der englische Begriff "Visual" ist mit dem japanischen "Kei" kombiniert, was so viel heißt wie "optische Clique". Die "Visuals" beziehungsweise "Visus" orientieren sich an japanischer Independence-Rock-Kultur und interessieren sich für alles Grelle und Trendige, was aus Japan kommt wie etwa Manga-Comics. Ihr Auftreten ist ebenfalls stark androgyn geprägt. Bevorzugt werden auffällige Frisuren, Lack und Leder-Klamotten sowie Schminke, die das Gesicht bleich und die Augen dunkel erscheinen läßt. Gerne tragen Visuals auch asiatische Kimonos und setzen sich farbige katzenartige Kontaktlinsen ein.
  • Cosplayer sind extreme Fans von Manga-Comics, Videospielen und Animes (animierten Geschichten) und verehren die Figuren mit ihren charakteristischen Riesenaugen und den grell-bunten Kleidern. Sie ahmen ihre Helden nach, hauptsächlich auf Veranstaltungen (Conventions) der Anime/Manga-Fanszene.

Quelle: Homepage.