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--> Essay Zeit

Bild 'Kalender 1526'

In der Antike bestanden mehrere Systeme der Zeitrechnung, die auf der Astronomie beruhten. Auf Gaius Julius Caesar (100 - 44 v. Chr.) geht der Julianische Kalender mit 365 Tagen und einem Schalttag alle vier Jahre aus dem Jahr 45 v. Chr. zurück. Sein Nachfolger Augustus (63 v. Chr. - 14 n. Chr.) veränderte ihn geringfügig. Die Christen übernahmen den Julianischen Kalender und behielten ihn mehr als eineinhalb Jahrtausende. Allerdings zählten sie die Jahre anders. 

Die Jahreszahlen (vor und nach Christi Geburt) errechnete der Mönch Dionysius Exiguus (ca. 470-540). Er nahm das Geburtsjahr als Jahr 1 der neuen Zeitrechung, in dessen 532. Jahr er sich befand. Im Lauf der Jahrhunderte wirkten sich die naturgegebenen Ungenauigkeiten aus. Daher beauftragte Papst Gregor XIII. (1502-1585) eine Gruppe von Gelehrten mit der Neuberechnung. Ihre Ergebnisse publizierte er in der Bulle „Inter gravissimas“ im März 1582. Sie bestimmte, einmalig zehn Tage ausfallen zu lassen. Auf den 4. Oktober folgte unmittelbar der 15. Italien, Spanien, Portugal und Frankreich waren die ersten Länder, die den neuen Stil des Gregorianischen Kalenders einführten, die katholischen Gebiete Deutschlands folgten im nächsten Jahr, das Erzherzogtum Österreich 1584, Polen 1586 und Ungarn 1587. Protestantische Länder zögerten bis ins 18. und 19. Jahrhundert, Graubünden stellte sich erst 1811 um. 

Vielfalt herrschte beim Termin des Jahresbeginns, auch hier sprach man von Stilen. Nach dem Weihnachtsstil begann das Jahr am 25. Dezember, nach dem Annuntiationsstil mit Mariae Verkündigung am 25. März, nach dem Konzeptionsstil mit Mariae Empfängnis am 8. Dezember. Mitunter wurde Ostern oder Christi Himmelfahrt als Jahresanfang genommen, wobei in einem solchen "Anno gratiae" bewegliche Feste, die sich nach dem Mond richten, den Ausschlag gaben. Das altrömische Neujahr am 1. März wurde bis ins Mittelalter und noch länger beibehalten (in Venedig bis 1797), obwohl schon im antiken Rom seit 153 v. Chr. der 1. Jänner als Jahresanfang feststand. 1691 schien es höchste Zeit, dass wieder ein Papst ein Machtwort sprach. Innozenz XII. (1615-1700) verordnete den 1. Jänner in allen christlichen Ländern als Neujahrstermin. 

Vom bürgerlichen ist der (katholische) Heiligenkalender zu unterscheiden. Die erste Auflistung ihrer Namen redigierte der heilige Hieronymus Ende des 6. Jahrhunderts. Mit legendären Lebensgeschichten ergänzt, entstand daraus 1584 das Martyrologium Romanum als Heiligenkalender. Im Laufe der Zeit erschien dieser kritikwürdig, die Reform erfolgte nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil. Neben dem allgemeinen Römischen Kalender (Generalkalender), der das Fundament des Kirchenjahres bildet, entstanden Eigenkalender für Teilkirchen und Ordensgemeinschaften, 1970 auch für kleinere Einheiten. Im neuen Kalender findet man populäre Heilige nicht mehr, weil ihre Biographie mehr Legende als Faktum war, andere zu verschobenen Terminen. Verlegte Heiligen-Gedenktage betreffen u.a. Benedikt (11.7. statt 21.3.), Franz von Sales (29. statt 24.1.), Gabriel (29.9. statt 24.3.), Gregor d. Gr. (3.9. statt 12.3.), Ignatius (17.10. statt 1.2.), Monika (27.8. statt 4.5.), Philipp und Jakob (3.5. statt 11.5.), Thomas (3.7. statt 21.12.)


Quelle: Adolf Adam: Das Kirchenjahr mitfeiern. Freiburg/Br. 1979. S. 170 f.

Bild: April, aus dem Kalender von Jörg Glockendon, Nürnberg 1526