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Kalvarienberg, Hernalser#

Kreuzigungsgruppe
Kreuzigungsgruppe
Barocke Reliefs – Tugenden
Barocke Reliefs – Tugenden
Heiliges Grab bei der Kalvarienbergkirche
Heiliges Grab bei der Kalvarienbergkirche

Zu den Methoden der Gegenreformation, welche die Gläubigen wieder "katholisch machen" sollten, zählten gewaltsame Maßnahmen ebenso wie Bräuche für alle Sinne. Sie kamen der populären Frömmigkeit entgegen und wurden gerne angenommen.Ein Beispiel sind die Kalvarienberge, die die Stationen der Passion, manchmal auch das Heilige Grab nachbildeten. Zu den künstlerisch wertvollsten zählt der 1731-1748 von Giovanni Giuliani (1664-1744) gestaltete des Stiftes Heiligenkreuz (Niederösterreich).

Hernalser Kalvarienberg, 1710 (Entwurf)

In Wien ist der Hernalser Kalvarienberg besonders bekannt. Die erste Anlage entstand 1639 an der Stelle der früher evangelischen Herrschaft Hernals. An der Einweihung nahmen der Kaiser und sein Hofstaat mit einer pompösen Prozession teil. Entlang des Weges, der vom Stephansdom nach Hernals führte, befanden sich mehrere Stationen mit Passionsdarstellungen. Am Ende errichtete man ein "Heiliges Grab". 1683 wurden die Stationen von den einfallenden Türken zerstört. Das einzige Relikt, die Gruppe der Geißelung Christi, ist bei der Pfarrkirche Alser Vorstadt, Ecke Schlösselgasse, zu sehen. 1709 wurde der Beschluss gefasst, in Hernals einen neuen Kalvarienbrg zu errichten. Den Baugrund widmete das Wiener Domkapitel, dem der Kaiser nach dem Landesverweis der Jörger Schloss und Kirche zugesprochen hatte. Wiener Bürger, die sich zur Bruderschaft der 72 Jünger Christi zusammengeschlossen hatten, sicherten die Finanzierung. Von einer Kapelle am Fuß eines künstlichen Berges führten 72 Stufen zur Kreuzigungsgruppe am Gipfel. Die Treppenanlage flankierten Kapellen, die große Holzreliefs enthielten. Anders als sonst bei Kreuzwegen, stellten die Schnitzereien die sieben Hauptsünden und die sieben Tugenden dar. Diese Anlage war 1714 fertig gestellt. Sie bestand kaum ein halbes Jahrhundert, an Stelle des baufällig gewordenen Kalvarienbergs entstand die Kirche. Die letzte große Umgestaltung erfuhr der Komplex Ende des 19. Jahrhunderts. Die Kalvarienbergkirche wurde verlängert, Seitenschiffe und der nun überdachte "Kalvarienberg" angebaut.

Untrennbar verbunden mit der religiösen Wallfahrt war der weltlich orientierte Kalvarienbergmarkt, dessen typische Ware der Baumkraxler darstellte. Er dauerte die ganze Fastenzeit 2014 hätte der älteste Jahrmarkt Wiens sein 375-jähriges Jubiläum gefeiert. Doch das Fachblatt "Marktnews" (Ausgabe 2/2014) meldete: "Abgesagt. Der diesjährige Kalvarienbergmarkt wurde aus Gründen mangelndem Interesses der Marktkaufleute leider abgesagt." Daher entwickelten die Pfarre und der der Verein Bildungsagentur eine kürzere, Kalvarienbergfest genannte, Veranstaltung. Seither gibt es neben einigen traditionellen Marktständen mit Baumkraxler-Figuren, Ringelspiel und Kinder-Eisenbahn mehrere Zelten, in denen man Kunstgewerbe kaufen, Handwerkern zusehen und basteln kann. Auf der Bühne umfasst das Programm musikalische und literarische Veranstaltungen sowie spezielle Angebote für Kindergartenkinder, Schulen und Senioren. Dazu kommt das von der Pfarre gestaltete Programm. Als traditionelles Element haben sich die großen "Kalvarienbergkipferl" erhalten, welche die Bäckerei Weigel nach dem Originalrezept herstellt.

Bild 'Kalva2'
Bild 'Kalva4'
Bild 'Kalva1'
Bild 'S31'

Fotos: Doris Wolf

Homepage Kalvarienbergkirche