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Kegelbahn#

Kegelbahn

Kegeln, das bekannteste Spiel des Spätmittelalters und der frühen Neuzeit, folgte dem Stein- und Kugelstoßen des frühen Mittelalters. Das Kegeln fand auf eigens angelegten Kegelbahnen statt. Es begann im 15. Jahrhundert ein Spiel der Bürger zu werden und wurde im 16. allgemein. Das vom städtischen Rat geregelte festliche Kegeln fand meist am Kirchtag statt. In Krems (Niederösterreich) gab es nach den Archivalien anno 1513 eine "Kuglstatt", 1548 hieß es, Arbeiter, die bei schönem Wetter dort müßig angetroffen werden, sollten bestraft werden. Zehn Jahre später verbot eine eigene Kegelordnung das Gotteslästern ebenso wie das Kegelspiel der jungen Burschen und befahl die Verwahrung von Kegeln und Kugel. Dabei bestand ein enger Zusammenhang zu den Schützen. In beiden Disziplinen wurden Wettbewerbe ausgetragen und Preise (Tuch, Fell, Strümpfe usw.) vergeben. In der Dörfern hatte der Dorfrichter das Spiel zu beaufsichtigen. Um 1580 hieß es in Gainfarn und St. Veit an der Triesting (Niederösterreich), die Spieler sollten sich nicht mit der Kugel bewerfen und keine Waffen bei sich haben. 

In Traismauer (Niederösterreich) entstanden im 16. Jahrhundert mehrere Verbote des Kegelspiels, das nicht um Geld oder während des Gottesdienstes stattfinden durfte. In Horn (Niederösterreich) dauerte 1650 die Saison des sonntäglichen Kegelscheibens vom Kirtag zu Georgi (23. April) bis zum Sonntag vor Michaeli (29. September). Die Kegel trugen Namen wie der Erste oder Hahn, König für den mittleren, Damen oder Bettelweiber für die außen stehenden, Bauern für die anderen Kegel. Spieler und viele Zuschauer erfreuten sich am Kegeln. Anforderungen an die Geschicklichkeit stellte die jahrmarktmäßige "russische" Kegelbahn, bei der die Kugel an einem Seil hing. 

Die Beliebtheit des Kegelspiels fand u.a. in Sagen ihren Niederschlag, wie der Wappensage von Scheibbs. Sie erklärt den Namen der Stadt und die Kugeln in ihrem Wappen. Das Kegeln der Türmer, ein mittelalterlicher Brauch, findet sich, um gespenstische Züge verstärkt, in einer Sage vom Stephansdom. Auch von Bergmännchen, die mit einer goldenen Kugel silberne Kegel treffen, erzählte man.


Quelle: Leopold Schmidt: Volkskunde von Niederösterreich. Horn 1972. Bd. 2/S. 595

Bild: Figuren und Kugel einer "russischen" Kegelbahn um 1960. Foto: Helga Maria Wolf, 2009