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Kinderspiel

Die ältere Volkskunde sah im Kinderspiel den "eigentlichen Quellbereich des Volksspiels" (verstanden als Gegensatz zu Arbeit, Zerstreuung, Sport etc.). Kinderspiele sind schon in einer Gedichtsammlung aus dem 14. Jahrhundert (Meister von Altswert) überliefert. Der bedeutendste Prosa-Autor der französischen Renaissance, Francois Rabelais (1494-1583) beschrieb 1535 in seinem Roman "Gargantua" 215 Spiele. Anschaulich stellt das Gemälde "Kinderspiele" von Pieter Bruegel d.Ä. (1525-1569) ca. 80 Spiele, teils in Gruppen Gleichaltriger, teils mit Spielgeräten wie Ball oder Reifen dar. 

Manches ist davon bekannt geblieben, wie Puppenspiel, Maskenspiel, Schaukeln, Seifenblasen, Kreisel, Hausbauen, Blinde Kuh, Purzelbaum, Stelzengehen, Versteckspiel, Sandspielen, auf Bäume klettern, Schwimmen, Kegeln oder Raufen. Zu den traditionellen und ziemlich universiell verbreiteten Spielen zählt das Tempelhüpfen. Dabei werden mehrere nummerierte Felder mit Kreide auf die Straße gezeichnet und ein Steinchen in diese geworfen. In das Feld, auf dem der Stein landet, wird je nach Spielregel mit einem Bein, beidbeinig oder überkreuzt gesprungen. Bei der Himmel-Hölle-Variante darf man im als "Himmel" bezeichneten Feld ausruhen und muss nach dem Besuch der "Hölle" das Spiel neu beginnen. Es wird allein oder in Gruppen ausgeführt.


Quellen:
Beitl: Wörterbuch der deutschen Volkskunde. Stuttgart 1974. S. 447
Jeanette Hills: Das Kinderspielbild von Pieter Breugel d.Ä. Wien 1998

Bild: Spielfeld zum "Tempelhüpfen" (Rekonstruktion), Wien 2009. Foto: Helga Maria Wolf