Kuh#

Foto Alfred Wolf
Foto Alfred Wolf

Rinder wurden wegen des Fleisches, der Milch und als Zugtiere seit dem 9. vorchristlichen Jahrtausend domestiziert. Die heutigen Hausrinder stammen aus Anatolien und dem Nahen Osten. Die natürliche Lebensdauer liegt bei 20 Jahren. Eine Hochleistungskuh gibt im Jahr 10.000 kg Milch. 

"Glückliche Kühe" sind keine Erfindung moderner Werbetexter. Schon im HDA heißt es: "Man bemüht sich, dass sich die Kuh im Stall wohlfühlt". Sie soll nach dem Kauf kein Heimweh bekommen. Häufig erhalten Kühe Namen. Das zeigt, wie auch andere Vorstellungen, dass "die Rinder des Bauern wertvollster Besitz sind". Dem entsprechend wichtig war ihr Schutz vor Unholden und "bösem Blick". Auf dessen Wirkung führte man blutige oder schlechte Milch zurück. War dies der Fall, wurden unschuldige Frauen der Hexerei verdächtigt. Dem Schutz des Viehs diente die Maulgabe am Dreikönigstag. Die Tiere wurden mit Brot und Äpfeln gefüttert, die mit Weihwasser besprengt waren. Zu Weihnachten meinte man, das Vieh im Stall reden zu hören, wofür der Lauscher mit dem Leben bezahlte. Aus dem Verhalten der Tiere zog man Schlüsse auf das Wetter, bevorstehende Hochzeiten und Todesfälle. Verschiedene Körperteile dienten der magischen Medizin. 

Nicht nur sprichwörtliche Bedeutung kommt der Kuhhaut zu. Die mittelalterliche Redensart meint das Pergament als Schreibfläche. "Das geht auf keine Kuhhaut mehr" - es ist nicht zu beschreiben. Die Kuhhaut diente als Rechtssymbol des Grundstückerwerbes. Nach der Äneassage ließ Königin Dido die Fläche der zu gründenden Stadt Karthago mit Streifen aus Kuhleder umspannen. In weit verbreiteten Sagen, erstmals in einem Predigtmärlein aus dem 13. Jahrhundert, schreibt der Teufel das Sündenregister auf eine Kuh- oder Ochsenhaut. Andere Geschichten erzählen von der Kuhhaut als Verkleidung. 

Weitere Redensarten: "Ist die Kuh hin, soll das Kalb auch hin sein" (bei einem Verlust). "Wie die Kuh vor dem neuen Tor stehen" (etwas verdutzt betrachten) geht auf Martin Luther zurück. "So viel verstehen wie die Kuh vom Sonntag" (gar nichts), "Blinde Kuh spielen" (irreführen), "Heilige Kühe schlachten" (Tabus brechen) sind ebenfalls gängig. 


Quellen:
Beitl: Wörterbuch der deutschen Volkskunde. Stuttgart 1974. S. 485 f.
Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens (HDA). Berlin 1933/1987. Bd. 5 / Sp. 767 f.
Lutz Röhrich: Das große Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten. Freiburg/Br. 1992. Bd. 2 / S.902 f.