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Lebensbaumkreis #

Die Tanne gilt als Symbol des Waldes. Foto: Alfred Wolf
Die Tanne gilt als Symbol des Waldes. Foto: Alfred Wolf

Seit 1997 befindet sich Am Himmel in Wien 19 der "Lebensbaumkreis", eingerichtet und betreut vom Kuratorium Wald. Am Kreuzungspunkt vieler Wanderwege stehen 40 Bäume aus 22 Arten in zwei konzentrischen Kreisen von 30 und 130 m Durchmesser. Vor jedem Baum befindet sich eine Klangsäule, ein Lautsprecher, der auf Bewegungsmelder reagiert, sodass der Baum scheinbar zu sprechen beginnt. Am Wochenende entsteht ein Klangraum, in dem aus allen Säulen klassische Musik ertönt. 

Der Baumkreis erfüllt verschiedene Funktionen, zunächst den Natur- und Umweltschutz bewußt zu machen: "Dadurch soll die Verbundenheit zwischen dem Menschen und dem Lebewesen Baum greifbar gemacht werden." Es gibt Veranstaltungen für Schulklassen und ein reichhaltiges Informationsangebot. Hoch über Wien ist ein interessanter Veranstaltungsort entstanden, den auch Private nutzen können. Das Kuratorium selbst bietet ein Programm, aus dem sich neue "Volksfeste" entwickelt haben wie das Kürbisfest Ende Oktober, der Funkensonntag oder das Drachenfest am Nationalfeiertag. 

Nicht unumstritten ist hingegen das "Baumhoroskop", das mit keltischen Überlieferungen nichts zu tun hat. Es entstand vielmehr Anfang der 1970-er Jahre. Damals erhielt die Kulturjournalistin Paule Delsol von der französischen Frauenzeitschrift "Marie Claire" den Auftrag, einige "alte" Horoskope zu entwickeln. Sie machte sich mit Sachkenntnis und Fingerspitzengefühl ans Werk und erfand nicht nur das "keltische Baumhoroskop", sondern auch "arabische" und "tibetische" Horoskope. Eine 1984 erschienene deutschsprachige Variante fand großes Interesse und zahlreiche Nachahmer. Diese sind vor allem durch einen tradierten Übersetzungsfehler zu erkennen, der den Zürgelbaum zur Zeder werden ließ. Die Zeder findet sich auch unter den "Lebensbäumen" Am Himmel. 1988 erschien das Buch "Keltischer Baumkreis" von Michael Vescoli, in dem es heißt: "Das vorliegende Buch beansprucht keine wissenschaftliche Anerkennung. Wie schon die Kelten und Poeten, sieht der Autor darin nur einen Schlüssel zur Wirklichkeit."


Quellen:
Michael Vescoli: Keltischer Baumkreis. Zürich 1988
Bertram Wallrath: Der "echte" Baumkreis, 1998
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