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Leuchter#

Romanischer Leuchter im Stift Klosterneuburg Foto: Alfred Wolf
Romanischer Leuchter im Stift Klosterneuburg Foto: Alfred Wolf

In Andachtsstätten aller Kulte spielen Leuchter eine große Rolle. Im Tempel Salomos stand im Vorraum des Allerheiligsten der siebenarmige Leuchter mit ununterbrochen brennendem Licht. Das Alte Testament beschreibt genau, wie er "aus purem Gold" anzufertigen war. (Ex 25,31 ff.) Man interpretierte die sieben Arme der Menora als Erinnerung an die sieben (von Babylonien und Ägypten entlehnten) Planetengottheiten oder "die sieben Augen des Herrn, die über die ganze Erde schweifen" (Sach 4,10). In den Synagogen leuchtet in Erinnerung daran die ewige Lampe (Ner Tamid). Im Stift Klosterneuburg befindet sich ein großer romanischer Leuchter, in dem sich Reste des legendären Holunderbaums von der Klostergründung befinden sollen. Der übermannsgroße Bronzeleuchter wurde in Verona angefertigt und steht jetzt im Brunenhaus.

In katholischen Kirchen gibt es vor dem Tabernakel, in dem die Eucharistie aufbewahrt wird, ein "besonderes Licht" (Kirchenrecht um 940), auch Ewiges Licht genannt, auf einem verzierten Leuchter oder als Hängelampe. In orthodoxen Kirchen ist es üblich, vor Altären, Heiligenbildern und Märtyrergräbern ständig Kerzen brennen zu lassen. Die dünnen Opferkerzen brauchen dort keine Leuchter, man steckt sie in mit Sand gefüllte Behälter. 

Zu Ehren antiker Götter leuchteten Lampen, einfache Tonschalen gaben dem Docht Halt. Das Anzünden und Hüten des Lichts war eine heilige Aufgabe, um die sich Rituale entwickelten. Die Römer begrüßten das hereingebrachte Licht mit ehrfürchtigem Schweigen. In Griechenland sprach der Lichtträger einen Segenswunsch für die Anwesenden und stellte die Lampe mit dem Ruf "Gutes Licht !" auf einen Leuchter. Die Hausgemeinschaft antwortete: "Sei gegrüßt, Licht". 

Die frühen Christen übernahmen diesen Brauch (Lucernarium). Die ursprüngliche Kathedralvesper als abendlicher Gemeindegottesdienst bestand aus den Elementen Lichtritus, Psalm mit Weihrauchritus (zur Antiphon wird Weihrauch eingelegt und beim Vers in einer Darbringungsgeste emporgehoben), Fürbitten und Vaterunser. Ähnliche Formen werden für das pfarrliche Vespergebet empfohlen. Bekannt ist die Lichtfeier am Beginn des Gottesdienstes in der Osternacht (Segnung des Feuers und Bereitung der Osterkerze, Prozession mit dem Ruf "Christus, das Licht!", Osterlob/Exsultet, während die Teilnehmer mit brennenden Kerzen stehen.) Die Osterkerze findet ihren Platz auf dem (geschmückten) Leuchter. Funde im Alpenraum bezeugen gläserne Öllampen, die an Bronzeketten beim Altar hingen. In der Schale schwamm ein Docht, wodurch das Öl langsam verbrannte. Manchmal stifteten Gläubige kostbare Bronzeleuchter als Votivgabe. 

Das Wörterbuch der deutschen Volkskunde verweist darauf, dass der Leuchter seinen Weg aus den Kirchen in die Wohnhäuser fand. Nur für Kerzen braucht man Leuchter (als Tropfenfänger), im Alltag verwendete man aber noch lange die billigeren, mit Unschlitt oder Öl gespeisten Lampen. Kunstfreudige Schmiede und Schlosser fanden Arbeit in Schaft und Klemme für die Kerze, in der Vorrichtung für ihre Höherstellung oder in der Ausgestaltung eines Leuchterwagens (Oberösterreich). Über die Schmiedekunst führt schon in spätgotischer Zeit eine Linie vom Bronze-, Messing- oder Zinnleuchter der oberen Stände zum volkstümlichen Leuchter aus Eisen.


Quellen:
Beitl: Wörterbuch der deutschen Volkskunde. Stuttgart 1974. S. 488 f.
Helga Maria Wolf: Vortragsmanuskript "Lichterfeste & Feuerbräuche", 3. Dezember 2002


Siehe auch:
-->Siebenarmiger Leuchter