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Liebesschlösser#

Bild 'Kahlenberg'

In den 1990er Jahren entstand in Italien ein neuer Brauch mit alten Symbolen: Ein Paar befestigt ein Vorhängeschloss (oft mit seinen Initialen oder anderen Aufschriften versehen) an einem Brückengeländer und wirft den Schlüssel ins Wasser. So soll die ewige Verbundenheit zum Ausdruck gebracht werden.

Die Bonner Ethnologen Dagmar Hänel und Mirko Uhlig haben sich eingehend mit dem Phänomen beschäftigt, das vor allem an der Kölner Hohenzollernbrücke unübersehbar ist. Erste Spuren weisen nach Rom wo der Autor des Jugendromans "Ho voglia di te", Federico Moccia, 2006 in einem Interview angab, das erste "Amorchetti" (amore - Liebe + lucchetti - Vorhängeschloss) an der Milvischen Brücke in Rom angebracht, um seinem Roman Authentizität zu verleihen. Im selben Jahr war der Brauch in einem Musikvideo des Popsängers Tiziano Ferro zu sehen.

Die deutschen Forscher erkannten drei Elemente: die Symbolik von Schloss und Schlüssel (triviale Beischlafmetapher, Macht- und Herrschaftszeichen), der Ort der Objekte (Brücken als Ort von Übergängen) und die Akteure, die auf ein Bekenntnis von Emotion, Zugehörigkeit, Gemeinschaft und Liebe abzielen.

Auch in Österreich gibt es etliche Beispiele: Am Brunnen auf dem Kahlenberg hängen einige Liebesschlösser . Das feinmaschige Gitter erlaubt die Befestigung handelsüblicher Vorhangschlösser. Auch auf der Fußgängerbrücke über den Wienfluß im Stadtpark befinden sich einige, obwohl das Geländer ist nicht sehr gut für die Anbringung geeignet ist. In Graz ist die Murbrücke dicht behängt. Ein zwischen den Streben des Geländers gespanntes Drahtnetz erleichtet die Anbringung. Man kann die Schlösser auch schon im Internet bestellen.


Quellen:
Dagmar Hänel und Mirko Uhlig: Was macht die Liebe auf der Brücke ? In: Fest, Brauch, Event. Regionale Kultur zwischen Tradition und Moderne. Köln 2013
Frdl. Mitteilung von Helge Süß, Wien

Bild:
Brunnen auf dem Kahlenberg, Foto: Helge-Wernhard Süß, Juni 2014.Freundlicherweise für das Austria-Forum zur Verfügung gestellt