Loreto#

Loretomadonna

Loretokapellen entstanden im konfessionellen Zeitalter. Die Anregung kam vom Beichtvater der Deutschen in Loreto, dem zweitwichtigsten Wallfahrtsort Italiens. In Italien selbst verbot Papst Urban VIII. (1568-1644) Nachbildungen der Casa Santa aus Konkurrenzgründen. Die Casa Santa ist das legendäre Geburtshaus der heiligen Maria. Nach einer Legende aus der Zeit der Kreuzzüge brachten es Engel nach Tersatto in Dalmatien (Trsat bei Rijeka, Kroatien), als Nazaret muslimisch wurde. Nach seiner vierten Übertragung fand das fliegende Haus seinen Standort in Italien. Nachdem dort 1554 der Jesuitenorden die Seelsorge übernommen hatte, erreichten die Loretowallfahrten ihren Höhepunkt. Besonders Petrus Canisius (1521-1597) förderte diese und ließ die Lauretanische Litanei verbreiten. 

Loretokapelle in der Augustinerkirche, Wien 1, Foto: Doris Wolf, 2013

Ausgangspunkt des Kultes in Österreich war die 1625-27 errichtete Kapelle in der Augustinerkirche in Wien 1. Kaiser Ferdinand II. (1578-1637) legte vor dem Altar der Mutter Gottes in Loreto das feierliche Gelübde ab, den Katholizismus wieder zur allein herrschenden Religion in seinen Staaten zu machen. Seine Gattin, Kaiserin Eleonora von Mantua (1598-1655), sandte Architekten nach Loreto, um eine getreue Kopie der Kapelle in Wien herstellen zu lassen und stiftete Juwelen. Nachdem die Kirche 1634 zur Hofpfarrkirche erhoben wurde, erhielt die Loretokapelle den Rang einer öffentlichen Privatkapelle des Kaiserhauses, die in dessen Hochzeitsritualen eine Rolle spielte. König Ferdinand IV. (1633-1654) verfügte, dass sein Herz nach seinem Tod der Gottesmutter zu Füßen gelegt werde. So entstand die "Herzgruft" der Habsburger. Im Zuge der Regotisisierung der Augustinerkirche wurde die ursprüngliche Kapelle abgetragen und mit der Gnadenstatue aus dem Jahr 1627 im Kreuzgang wieder errichtet. Nach einer Umgestaltung wurde sie 1999 neu geweiht. 

Loretokapellen sind einheitlich ausgestattet, innen aus rohen Ziegeln mit einigen unregelmäßigen, bemalten Putzflächen. Das Heiligtum, die schmale Statue einer Schwarzen Madonna, steht in einer Nische an der Stirnwand hinter einem silbernen Gitter. Nach dem Wiener Vorbild stifteten Adelige in ihren Besitzungen zur Zeit der Gegenreformation zahlreiche Loretokapellen, z.B. Wien 21, Jedlesee (Gräfin Czernin), Inzersdorf, Wien 23 (Graf Montecuccoli), St. Leonhard am Forst, Niederösterreich (Grafen Auersperg), Strass, Niederösterreich, Zwentendorf, Niederösterreich. In der Marktgemeinde Loreto im Burgenland stand seit 1659 eine Gnadenkapelle, welcher der Ort seinen Namen verdankte. 1720 wurde die Basilika (Basilica minor seit 1997) des Wallfahrtsortes vollendet. Nach dem Sieg der Habsburger bei der Schlacht am Weißen Berg 1620 entstanden Loreto-Wallfahrtsstätten in  Böhmen. 

Loretto

Als der Schwedenkönig im Dreißigjährigen Krieg 1632 in Bayern einfiel, baten deutsche Kapuzinerinnen in Salzburg um Schutz und Hilfe. Sie wurde ihnen von Erzbischof Paris Lodron gewährt und 1637 ihr neues Kloster geweiht. Hier ist der Kultgegenstand das um 1620 geschaffene "Loretokindl", eine neun Zentimeter große, geschnitzte Elfenbeinfigur. Adelige Gönnerinnen spendeten wertvolle Kleider und Schmuck für die Figur, die zu bestimmten Zeiten auf einem eigenen Altar aufgestellt und Kranken auf Wunsch "aufgesetzt" wird. Wachs-Nachbildungen sind im Kloster erhältlich.


Quellen:
Hans Aurenhammer: Marianische Gnadenbilder in Niederösterreich.Wien 1956. S. 34 f.
Arthur Haberlandt: Taschenwörterbuch der Volkskunde Österreichs. Wien 1959. Bd. 2/S. 40 f.
Mitteilungsblatt St. Augustin Wien Dezember 1999
Wikipedia: Loretokapelle (Stand 24.8.2008),
Loreto-Legende
Loretokindl

Bilder:

Das Salzburger Loretokindl. Andachtsbild mit aufgeklebtem Stoffkleid, 19. Jahrhundert
Loretokapelle in der Wiener Augustinerkirche. Alle Fotos: Doris Wolf