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Lostage#

--> Essay Lostage

Die Lostage verdanken ihre Bezeichnung dem Befragen von Orakeln an brauchtümlich wichtigen  Tagen (mhd. losen - hörend achtgeben). Es ging aber auch um Rechtsbräuche und Wetterprophezeiungen. Bestimmte Gedenktage markierten Einschnitte im Jahreslauf, wie: „Mariae Verkündigung bläst das Licht aus, Sankt Michael zündet es es wieder an.“ Zwischen 25. März und 29. September arbeitete man bei Tageslicht. Zu Martini (11. November) erhielten die Arbeiter in den Weingärten eine "Lesgans", die Gesellen der Handwerker eine "Lichtgans" als zusätzlichen Lohn. Pankratius, Servatius und Bonifatius gelten als „Eismänner“. Erst danach erscheint die Frostgefahr gebannt. Bis ins 16. Jahrhundert schrieb man in Urkunden kein Datum in Ziffern, sondern die Tage der Heiligen. 

Etliche Wetterregeln stammen aus der Antike und wurden von den mittelalterlichen Mönchen im Gartenbau übernommen. Oft liegt ihnen der Julianische Kalender zugrunde. Die Kalenderreform des Papstes Gregor XIII. bestimmte, 1582 zehn Tage auszulassen, sodass auf den 4.Oktober 1582 der 15.Oktober folgte. Diese Änderung blieb oft unberücksichtigt. Vieles findet sich um 1500 in Bauernpraktiken, Einblattdrucken mit Regeln, die Bauern das ganze Jahr beachten sollten. Teilweise waren die Sprüche astrologisch beeinflusst, teils entsprachen sie langjähriger Erfahrung.

Von besonderer Bedeutung war die 1508 vermutlich in Augsburg erscheinene Bauernpraktik, die den Bauern in allen Fragen seines Alltags Rat und Weisung geben wollte, vor allem in Hinblick auf das Wetter. Die wichtigsten Lostage für Saat, Wachstum und Ernte darin sind: Neujahr (1. Jänner), Dreikönig (6. Jänner), Mariae Lichtmess (2. Februar), St. Matthias (24. Februar), St. Markus (25. April), Philipp und Jakob (3. Mai), Johannis (24. Juni), Jakobi (25. Juli), Matthäi (21. September), Michaeli (29. September), Martini (11. November), St. Andreas (30. November), Nikolaus (6. Dezember) und die "Zwölften" zwischen Weihnachten und Dreikönig.


Quellen: 
Beitl: Wörterbuch der deutschen Volkskunde. Stuttgart 1974. S. 424
Marianne Bernhard: Alte Wetter-Regeln. München 1984.
Matthias Lexer: Mittelhochdeutsches Taschenwörterbuch. Leipzig 1885/1992. S. 150
Harald Weingärtner: Wenn die Schwalben niedrig fliegen... München 1996. S. 56