Magie#

Magie (griechisch mageía - Zauberei, aus dem altpersischen Magusch, Bezeichnung der medischen Priester) ist der Versuch der Beeinflussung von Ereignissen, Menschen und Gegenständen auf übernatürliche Art. Der Magier verwendet dazu Rituale und Beschwörungsformeln. "Weiße Magie" (um 1500: magia alba ) sollte als "Magie Gottes" Schutz und Heilung gewährleisten, wie Abwehrzauber, Heilzauber, Glückszauber, Liebeszauber, Schutzzauber, Wahrsagen, Wetterzauber. "Schwarze Magie" (14. Jahrhundert) bezeichnet Schadenszauber, Verwünschungen, Teufelspakt.

  Das Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens (HDA) beschreibt Magie unter dem Schlagwort "Kunst". Diese Bezeichnung geht auf das antike "ars magica" im Sinn von Wissenschaft zurück. Goethes Faust wünscht sich "die höchste Kunst" oder will "seine neue Kunst probieren". Zauberer und Hexen nannte man "Schwarzkünstler" - von Nigromantie, Beschwörung der Totengeister. Auch "Fahrende" (Schüler, Studenten, Handwerker) Mönche oder Angehörige unehrlicher Gewerbe konnten so bezeichnet werden. In der populären Frömmigkeit und Heilkultur lebten viele alte Vorstellungen weiter. Gott (oder das Schicksal) sollte, oft unter Anrufung heiliger Namen oder mit Bekreuzigen, manipuliert werden. 

Vorgeschichtliche Höhlenmalereien lassen Schlüsse auf magische Handlungen (Jagdzauber ?) zu. Griechische Philosophen beschäftigten sich kritisch mit der Magie. Im Mittelalter erhielt sie Auftrieb durch Kabbala (mystische Tradition des Judentums), Astrologie und Alchemie (Naturphilosophie, Suche nach dem "Stein der Weisen"). Das magische Weltbild beruhte auf dem Glauben an die Sympathie (Zusammenhang von Menschen und Kosmos) der Dinge und Kräfte, in die der Magier durch Zauber und Beschwörung eingreifen wollte - er "vermählte" Himmel und Erde.

In der Renaissancezeit (1530) erschien die erste systematisch gegliederte theoretische und praktische Gesamtdarstellung der Magie "De Occulta Philosophia", ein Werk des humanistischen Theologen, Doktors der Rechte und der Medizin, Heinrich Agrippa von Nettesheim (1486-1535). Der Arzt Paracelsus (1493 - 1541) beschäftigte sich mit Alchemie, Astrologie und Theologie. Er verstand Magie als Heilkunst, und viele seiner Ansätze leben in der "Volksmedizin" weiter. Das Interesse der Renaissancemenschen an der Antike brachte auch die Wiederentdeckung der Hermetischen Schriften, einer spätantiken religiösen Offenbarungs- und Geheimlehre. Die Hermetik ist von persisch-babylonischen und jüdischen Elementen sowie platonischem, neuplatonischem und stoizistischem Gedankengut geprägt. Sie bestimmte bis ins 17. Jahrhundert das naturwissenschaftliche Weltbild, beeinflusste den westlich geprägten Okkultismus und ist jetzt ein wichtiger Teil der Esoterik. 

In der Romantik interessierten sich Intellektuelle und Dichter für exotische (indische, ägyptische, orientalische) Spiritualität, die damals im Westen bekannt wurde. Tendenzen in Richtung Magie bildeten sich meist als Gegenbewegungen zu Epochen des Rationalismus. In der modernen Esoterikwelle finden sich wieder magische Praktiken. Manche längst überholt geglaubte Methoden der populären Heilkunst haben gute Chancen, als immaterielles Kulturgut in das UNESCO-Weltkulturerbe Aufnahme zu finden.

Der Germanist em. Univ. Prof. Helmut Birkhan hat in seinem Buch "Magie im Mittelalter" dem Aberglauben und der Magie zugrundeliegende Denkmuster zusammengestellt:

  • Der unzulässig hergestellte Kausalzusammenhang
  • Die "Beseelung des Nicht-Beseelten und Nicht-Anthropomorphen
  • "Similia Similibus" (Wirkung durch Ähnlichkeit)
  • "In illo tempore" (wie einst, so jetzt)
  • Glaube an eine gewisse Vorbestimmtheit des Künftigen und deren Erkennbarkeit
  • Der Glaube an die Existenz einer besonderen "Kraft" in Dingen und Lebewesen
  • Der Glaube an die unvermittelte Macht des Zeichens (Wortes).

Quellen:
Beitl: Wörterbuch der deutschen Volkskunde. Stuttgart 1974. S. 523 f.
Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens (HDA). Berlin 1933/1987. Bd. 5/Sp. 817 f.
Helmut Birkhan: Magie im Mittelalter. München 2010
Wikipedia: Magie (Stand 2.8.2008)