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Majolika#

Majolika

Majolika (nach der Insel Mallorca) oder Fayence (nach der italienischen Stadt Faenza) sind Bezeichnungen für bemalte Keramik. Seit dem 15. Jahrhundert fertigt man in Europa nach arabischem Vorbild Gefäße und Kacheln in der Technik des "Halbporzellans". Nach dem ersten Brand bei 1100 °C kommt das Werkstück in ein Bad von geschmolzenem Sand, Pottasche, Blei und Zinn. Beim zweiten Brand entsteht deckende, weiße Zinnglasur. Mit dem Pinsel werden bunte Muster aufgetragen und die Konturen eingeritzt, damit sie nicht zerfließen. Bei der Muffeltechnik (Muffeln - feuerfeste Tongefäße) brennt man die Farben bei geringerer Hitze in einem dritten Brand in die Glasur. 

Nach Italien und Frankreich befassten sich Manufakturen in Holland im 17. Jahrhundert mit der Majolika-Herstellung. Dabei war Delft für die Nachahmung des chinesischen Porzellans berühmt. In Österreich produzierte man zunächst in Gmunden (Oberösterreich, um 1600), dann in Salzburg (1650), Graz (Steiermark, 1771) und Schwaz (Tirol, 1801). Bis heute ist für die Gmundner Keramik Bemalung in grüner, gelber und blauer Farbe charakteristisch. Nachdem in Meissen (Deutschland) 1706 die Porzellanherstellung begann, wurde Majolika zur "Bauernkunst". 

Eine eigene Gruppe bildet die Weißhafnerei der Habaner. Die verfolgten Wiedertäufer siedelten seit dem 16. Jahrhundert in der Slowakei, in Mähren, in der Ukraine, in Ungarn und Siebenbürgen. Sie stellten - vorwiegend gelb und blau bemalte - Majolika her und versahen ihr "Brüderisches Geschirr" mit Sprüchen. 

Konkurrenz erhielt die Majolika durch billiges Steingut, das ab Mitte des 18. Jahrhundert zunächst aus England auf das Festland kam. Dabei handelt es sich um eine Mischung aus fettem Ton, Quarz oder Feuerstein und Feldspat, die nach dem scharfen Brand (1250-1330 °C) weiß wird. In einem zweiten Brand wird die Glasur aufgeschmolzen, wobei die Muster gemalt oder aufgedruckt wurden. Die fabrikmäßige Herstellung erfolgte auch in Deutschland und Böhmen (Karlsbad).


Quelle: Beitl: Wörterbuch der deutschen Volkskunde. Stuttgart 1974. S. 313, 526, 774

Bild: Majolikakrüge. Foto: Alfred Wolf, 1995