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Mandlkalender#

Mandlkalender

Der "steirische Mandlkalender" wird seit 300 Jahren gedruckt. 1987 lag die Auflage bei 400.000 Stück. Er enthält außer den Bezeichnungen der Kalender- und Namenstage Symbole für Sonnenfinsternisse, Mondphasen, Sonn-, Feier- und Wochentage, Wetterprognosen und Tierkreiszeichen. Der Name kommt von den "Mandln", stilisierten Halbfiguren der Heiligen.

Vorbilder waren mittelalterliche Stabkalender. Solche Stäbe, die für jeden Tag einen Einschnitt trugen, fanden noch im 17. Jahrhundert in Kärnten Verwendung. Das Beispiel des Admonter Bauernkalenders (1481) zeigt, dass man die Einkerbungen auch in Holztafeln anbrachte, die dann als Holzschnitt gedruckt wurden. 1706 erhielt der Grazer Buchdrucker und Verleger Franz Jakob Ludwig das erste Privileg zur Herstellung von "Bauernkalendern". Die Mandlkalender waren oft das einzige Buch in den Häusern der Bauern, die meist des Lesens unkundig blieben. (Die allgemeine Schulpflicht wurde erst 1774 eingeführt). Trotzdem konnten sie vieles ablesen, was für ihre Arbeit wichtig war: Feste des Kirchenjahres, familiäre Gedenktage, Mondphasen, den als wichtig erachteten Einfluss der antiken 7 Planeten (vgl. Hundertjähriger Kalender) Bis 1892 trug der Mandlkalender die Bezeichnung "Neuer Bauernkalender", dann hieß er fallweise "Alter Bauernkalender", bis sich der Verlag 1949 für den nostalgischen Titel entschloss. 2011 gibt es ihn in sechs Varianten.

Obwohl die bunten Kalender bis heute recht archaisch wirken, wurden sie in den letzten Jahrzehnten mehrfach modernisiert. 1988 hat der Leykam-Verlag, der seit zwei Jahrhunderten als Verleger fungiert, einige Änderungen vorgenommen, wie die Anpassung an den nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1968) veränderten Heiligenkalender, wodurch sich manche traditionellen Gedenktage verschoben (am bekanntesten Apostel Thomas vom 21. Dezember auf 3.Juli). Für die Wettervorhersagen entwickelte ein Astronom und Meteorologe ein EDV-Programm, das die Prognosen aus langjährigen Wetterdaten errechnet. Symbole für das Biowetter sind dazu gekommen.


Quelle:
Sepp Walter: Der steirische Mandlkalender. Graz 1992.
Bauernkalender

Bild: Titelbild des Mandlkalenders. Drei Bauern symbolisieren die alten Landesteile der Steiermark: Kornjockerl (Oststeiermark) mit der Schaufel, Brottommerl (Untersteiermark) mit der Sense und Drischmichel (Obersteiermark) mit dem Dreschflegel. Sie weisen auf Sonne, Mond und Sterne, damit auf den Inhalt des Kalenders.