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Manufaktur#

Tor zur Nadelburg, Foto: Alfred Wolf
Tor zur Nadelburg, Foto: Alfred Wolf

Zwischen Handwerk und Fabrik standen im 18. Jahrhundert private und staatliche Manufakturen (lat. manus – Hand, lat. facere – herstellen). Arbeitsteilung bzw. Zusammenfassung verschiedener Handwerke steigerte die Produktivität. Dies entsprach den Intentionen des Merkantilismus: den Reichtum des Staates zu mehren, von Importen unabhängig zu sein und den eigenen Export zu fördern.

Die 1672 von einem Bürger gegründete Linzer Wollzeugfabrik war die erste Textilfabrik Österreichs. 1754 wurde das Unternehmen verstaatlicht. Es erzeugte rund 30 Produkte, Stoffe aus Schafwolle, Baumwolle, Kaschmirwolle und Teppiche. Bei der Umwandlung von Wolle zu Garn benötigte man zahlreiche Arbeitskräfte. Obwohl es in England bereits Spinnmaschinen gab (Jenny 1765; Mule 1779) setzte man hier auf menschliche Arbeit, nicht zuletzt um möglichst viele Untertanen, "Müßiggänger" und Kinder, sinnvoll zu beschäftigen. 1791 hatte die Manufaktur Tausende Beschäftigte, von denen 100 in der Fabrik, die anderen in Heimarbeit werkten. Bis 1850 wurden Textilien erzeugt, dann in einem Teil des schlossartigen Gebäudes eine Tabakfabrik eingerichtet. 1969 erfolgte trotz erheblicher Proteste der Abbruch des historischen Objektes.

Das älteste Beispiel eines industriegeschichtlichen Bauensembles ist die Nadelburg bei Lichtenwörth, Niederösterreich (1747 - 1756). Kaiserin Maria Theresia (1717-1780, reg. ab 1740) förderte das Projekt eines Hammerwerksbesitzers (Johann Christian Zug aus Piesting) zur Errichtung einer Nadelfabrik. Dadurch sollten teure Importe aus Deutschland hintangehalten werden. Als der Fabrikant den Betrieb nach einigen Jahren an das Münz- und Bergwesen-Direktions-Hofkollegium verkaufte, wurde das Unternehmen vergrößert. Für die, zum Teil aus Deutschland abgeworbenen, Arbeiter entstand eine ummauerte Siedlung mit 30 Häusern im regionalen Stil der Paarhöfe. Jedes Haus war für zwei Familien gedacht, sie hatten je zwei Zimmern, eine gemeinsame Küche und einen Garten. Etwa die Hälfte der Häuser und die von Hofbaumeister Nikolaus Pacassi erbaute, 1756 geweihte, Kirche "Zur hl. Theresa" blieben erhalten. Das zweitürmige Gotteshaus mit der auffälligen Kuppel steht in der Hauptachse der Siedlung. Das Hochaltarbild zeigt die Kreuzigung Christi. Kaiserin Maria Theresia steht als Nonne gekleidet neben dem Kreuz, während der junge Joseph II. in Uniform daneben kniet.

Die Wiener Porzellanmanufaktur war (nach Meißen) die zweitälteste in Europa. 1718 gründete der Hofkriegsagent Claudius Innocentius du Paquier (1679-1751) den Betrieb in der Rossau (Wien 9). 1744 übernahm der Staat die Porzellanfabrik und kennzeichnete die Produkte mit dem Bindenschild (fälschlich Bienenkorb). 1864 führte die starke Konkurrenz durch böhmische Fabriken zur Schließung. 1923 wurde die Produktion als Augartenporzellan wieder belebt. Seit 2003 ist die Manufaktur Augarten in Privatbesitz. Seit 2011 besteht dort auch das Porzellanmuseum. Dabei verbindet der mächtige, 90 Jahre alte, Brennofen zwei Raumebenen und fungiert als Schatzkammer.