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Militärmusik#

Militaermusik

Die europäische Militärmusik geht auf Kaiser Maximilian (1459-1519) - die Zeit der Landsknechte, der zu Fuß dienenden Söldner - zurück. Als der Kaiser die "neue Ordnung" für sie einführte, verordnete er als Marsch- und Schlachtmusik Pfeifen und Trommeln. Diese Art der Musik kam aus dem Orient. Eine türkische Janitscharentruppe bestand aus 30 bis 40 Mann mit einem Kapellmeister. Zur Zeit Kaiserin Maria Theresias (1717-1780) gründete der Offizier Franz von der Trenck (1711-1749) eine uniformierte Regimentsmusik. Er komponierte für sie den Pandurenmarsch, der als ältester österreichischer Militärmarsch gilt, mit Elementen janitscharischer und bosnischer Musik. 

1851 billigte Kaiser Franz Joseph (1830-1916) jedem Infanterieregiment eine Kapelle mit 48 Berufsmusikern zu. Zu ihren bekanntesten Kapellmeistern zählten Philipp Fahrbach sen. (1815-1885), Alfons Czibulka (1842-1894), Carl Michael Ziehrer (1843-1922) und Franz Lehar (1870-1948). Der Sohn eines Militärmusikers war nacheinander Kapellmeister in drei Infanterieregimentern und der Matrosenkapelle der k.u.k. Kriegsmarine. Berühmte Komponisten wie Ludwig van Beethoven (1770-1827), Franz Schubert (1797-1828) und Johann Strauß Vater (1804-1849) schrieben für das Militär. Von ihm stammt der meistgespielte Marsch der Musikliteratur, der Radetzkymarsch (1848). 

Die Darbietungen der Militärmusikkapellen dienten den Wienern als Unterhaltung. Im 1848 eröffneten Sophiensaal, Wien 3, zogen die Deutschmeister vom Infanterieregiment Nr. 4 ein, ebenso wie die Bosniaken des Infanterieregiments Kaiser Nr. 1, die als Kopfbedeckung einen roten Fez trugen. Die Wiener nannten die Militärmusik "Banda" (engl. band - Musikkapelle). Wenn die Regimentsmusikkapellen spielend zur Wachablöse in die Hofburg zogen oder Sonntag morgens zum Frühschoppen in bekannte Gaststätten marschierten, wurden sie stets von Jugendlichen begleitet. Öffentliche Veranstaltungen wie Blumenkorso oder Fronleichnamsprozession ohne Militärmusik waren undenkbar. Der Erste Weltkrieg (1914-1918) beendete vorerst die jahrhundertelange Tradition. Vor einigen Jahren belebten die "Original Hoch- und Deutschmeister" den musikalischen Teil der Wachablöse. Die Zeremonie findet von Ende April bis Mitte Oktober jeden Samstag statt. Sie marschieren kurz vor 11 Uhr vom Michaelerplatz den Kohlmarkt auf und ab und ziehen dann in den Burghof ein, wo sie ein Platzkonzert in der traditionellen Kreisaufstellung spielen.


Quellen:
Walter Deutsch - Helga Maria Wolf: Menschen und Melodien im alten Österreich. Wien 1998. S. 63 f.
Stephan Vajda: Mir san vom k.u.k. … Wien 1977.
Deutschmeister

Bild: "D' Banda kommt", Lied von Carl Lorens (1851-1909)