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Mistbauer#

Mistbauer

1839 verordnete der Magistrat der Stadt Wien den Abtransport des Abfalls. Privatunternehmer holten ihn an bestimmten Tagen mit Pferdewagen ab. Diesem ging ein Mann voraus, der mit einer Glocke das Kommen des Mistbauern ankündigte. Hausfrauen und Dienstmädchen brachten ihm dann die Abfälle im "Misttrücherl" auf die Straße. Die Ladung kam auf Deponien. Dort suchten die sogenannten Beinlstierer nach brauchbaren Stoffen wie Glas, Knochen oder Hadern, um diese zu verkaufen. 

Nach dem Ersten Weltkrieg stellte Wien die Müllabfuhr auf das Colonia-System um. Der Mist wurde nun in Hausstandgefäßen (90 Liter Inhalt für fünf bis sieben Wohnungen) entleert und staubfrei in Kastenwagen geschüttet. 1928 gab es 173.478 Coloniakübel und 63 LKW mit Anhängern für den Abtransport. Damit wurden 381.318 m³ Mist beseitigt. Derzeit (2013) transportiert die MA 48 in Wien jährlich 1 Million Tonnen Abfall ab, davon die Hälfte Restmüll. Dieser wird seit 2009 in Müllverbrennungsanlagen entsorgt und dabei Strom und Fernwärme erzeugt.


Quellen:
Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien. Wien 1992-1997. Bd. 1/S. 587, Bd. 4/S. 275 f.
Abfälle

Bild: "Banlstierer (Knochensammler)". Foto: Otto Schmidt, Wien um 1880