Mistel#

Foto: Doris Wolf
Foto: Doris Wolf

Misteln (Viscum), eine Pflanzengattung aus der Familie der Sandelholzgewächse, gedeihen als Halbschmarotzer auf Bäumen oder Sträuchern. Ihre Zweige sind bis 20 cm lang, die Blätter erscheinen paarig. In weißen oder gelben Beerenfrüchten befinden sich mehrere, von klebrigem Saft umgebene Samen. Darauf deutet der botanische Artname Viscum, da die Römer aus den Mistelbeeren Leim herstellten. Auch der Begriff Viskosität (Maß für die Zähflüssigkeit eines Fluids) leitet sich davon ab. 

Der römische Historiker Plinius (73-79) schrieb im Jahr 77 über Kelten-Kulte mit der Eichenmistel: „Die Druiden ... halten nichts für heiliger als die Mistel und den Baum, auf dem sie wächst, wenn es eine Steineiche ist. ... Denn alles was daraus hervorwächst, halten sie für vom Himmel gesandt und für ein Zeichen, dass der Baum von Gott selbst erwählt worden sei. Die Mistel ist jedoch ziemlich selten zu finden, und wenn sie gefunden wird, so wird sie mit großer Feierlichkeit geerntet. ... Sie nennen sie in ihrer Sprache ‚Allheilmittel‘ ... Sie glauben, dass durch Mistelabsud jegliches unfruchtbare Tier fruchtbar werde und dass er ein Gegengift gegen alle Gifte sei.“

Was bei uns zu Weihnachten das Tannenreis ist, ist in England die Mistel. Hierzulande setzte ihre Popularität um die Jahrhundertwende ein. Im Jugendstil zählte die Mistel zu den verbreitetsten Motiven der angewandten Kunst. "Die Mistel als Weihnachtsschmuck, wie sie in den letzten Jahrzehnten in deutschen Städten aufkam, ist lediglich eine Nachahmung des englischen Brauches, also mehr eine Modesache als ein Volksbrauch ... Das Mädchen, das unter einem solchen Mistelbusch von einem Manne angetroffen wird, muß sich von diesem küssen lassen," liest man im Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens. Im Rheinland pflegte man sich in der Weihnachtszeit unter einem Mistelzweig zu versöhnen. Man brachte Misteln als Freundschafts- und Friedenszeichen zu den Nachbarn.


Quellen:
Beitl: Wörterbuch der deutschen Volkskunde. Stuttgart 1974. S. 552
Helmut Birkhan: Kelten. Wien 1997. S. 902
Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens. Berlin 1935/1987. Bd. 6/Sp. 381 f.
Helga Maria Wolf: Weihnachten. Kultur & Geschichte. Wien 2005. S. 43
Wikipedia: Mistel (Stand 3.8.2008)