Mode#

R.van der Weyden. Sakramentsaltar

Die Kostümhistorikerin Silke Geppert hat sich mit der Mode des Mittelalters im Spiegel gotischer Altäre beschäftigt. Sie definiert Mode als " die neue Art und Weise der Bekleidung, im Sinne von anders sein und anders wirken als das Vorhandene. Sie ist ein Phänomen, das in den Metropolen entsteht." Mode hat mit Individualität zu tun, die ein Kennzeichen städtischen Bürgertums ist. Kleidung sei "ein mächtiges gesellschaftliches Kommunikationsmittel". Nach dem Prinzip "Kleider machen Leute" sagte das Gewand viel über seine Träger aus. In ihrer Arbeit konzentriert sich Geppert auf die Darstellung der Maria Magdalena auf Kreuzigungsdarstellungen und zeigt, dass die vermeintliche Sünderin besonders modisch erscheint und häufig gegen die Kleiderordnungen verstößt. In ihrer modischen Kleidung unterscheidet sie sich von den klassisch gewandeten Heiligen wie Johannes und Maria. Das ermöglich nach Jahrhunderten Rückschlüsse auf die mittelalterliche Mode der Oberschichten.

Festgeschrieben waren die "vestimentären Codes" seit dem 12. Jahrhundert in Kleiderordnungen. Die Herrscher versuchten den Kleiderluxus (der anderen) aus verschiedenen Gründen einzudämmen. So hieß es, dass die Bürger nicht wegen der hohen Ausgaben für Kleidung verarmen und dann der Obrigkeit zur Last fallen sollten. Wichtiger war es jedoch, die sozialen Hierarchien zu fixieren. Die Kleiderordnung Ferdinand I. (1552) gab den fünf Ständen unterschiedliche Möglichkeiten. Der untertänige Bauer und Taglöhner durfte nur Kleider aus einem unzerschnittenen Stoff billiger Sorte tragen. Dem Bauernstand wurde die sparsame Verwendung der Farben Rot und Grün gestattet. In der Barockzeit verbot Kaiser Leopold (1640-1705) den Frauen "weit ausgeschnittene Wämser und lange, nachschweifende Röcke", ebenso Haarlocken "und insgemein alle neue Mode". Dadurch sollte die Einfuhr modischer Stoffe zurückgedrängt und das heimische Textilgewerbe gestärkt werden. Maria Theresia (1717-1780) sah Dekolletes und kurze Röcke bei ihren weiblichen Untertanen nicht gerne. Weitgehende Freiheit brachten der Zeitgeist der Französischen Revolution ("Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit") und der Aufklärung (Josephinische Reformen: Einschränkung der Robot, Aufhebung der Leibeigenschaft, 1781).


Quelle: Silke Geppert: Mode unter dem Kreuz. Salzburg 2013